Equal Care Day: Sorge- und Pflegearbeit aufwerten
Meist investieren Frauen Zeit in vielfach unsichtbare Care-Arbeit – Sozial- und Familienlandesrätin Pamer: "Wir müssen an gesellschaftlicher und finanzieller Anerkennung der Sorgearbeit arbeiten."
BOZEN (LPA). Pflege- und Betreuungsarbeiten werden in überwiegendem Ausmaß von Frauen übernommen, in Südtirol, aber auch in Italien, wie eine Untersuchung des Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) zeigt (siehe Infobox). "Die Care- und Sorgearbeit ist für unsere Gesellschaft unersetzbar: Wenn wir etwa an die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen denken, dann ist der geleistete Wert immens", unterstreicht Sozial- und Familienlandesrätin Rosmarie Pamer anlässlich des Equal Care Days am 29. Februar. "Meist sind es die Frauen, die ihre Zeit dafür investieren. Doch noch immer wird es ihnen nicht ausreichend gedankt und vergolten." Deshalb müsse weiterhin an der gesellschaftlichen und finanziellen Anerkennung gearbeitet werden, ebenso wie an der Umverteilung. Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in dieser Hinsicht zwar bereits einiges getan: Es ist heute selbstverständlich, dass auch Väter mit ihren Kindern auf den Spielplatz gehen oder die Hausaufgabenbetreuung übernehmen. Dennoch lastet der Großteil nach wie vor auf den Frauen. Dabei dürfe auch der sogenannte "Mental Load" nicht vergessen werden, die psychische Belastung durch die Organisation des Familienalltages: "Auch eine Aufgabe, die hauptsächlich Frauen übernehmen und die kaum gesehen und wertgeschätzt wird", ergänzt Pamer.
Diejenigen, die unbezahlte Care-Arbeit leisten, würden häufig keiner bezahlten Tätigkeit nachgehen oder sich für eine Teilzeitbeschäftigung entscheiden. "Wir wissen, dass das zu Altersarmut führt, auch weil das Rentensystem in Italien ein beitragsbezogenes ist. Das ist schlicht frauenfeindlich", betont Landesrätin Pamer. Südtirol versucht, dem seit einigen Jahren entgegenzuwirken, etwa durch den starken Ausbau der Kleinkindbetreuung. Zudem würden Beiträge für die rentenmäßige Absicherung von Erziehungs- und Pflegezeiten gewährt; diese haben 2023 fast 4600 Personen erhalten, ausbezahlt worden sind rund 9,5 Millionen Euro. Zudem sieht das Staatsgesetz Nr. 104/1992 vor, dass bei schweren Pflegefällen eine Freistellung für Angehörige für drei Tage pro Monat oder zwei Jahre bezahlter Sonderurlaub möglich sind.
Zusatzinformationen
2025 findet zum zehnten Mal der Equal Care Day statt. Der Aktionstag soll auf die mangelnde Wertschätzung von Care-Arbeit aufmerksam machen sowie über ihre Bedeutung und die Folgen ihrer unfairen Verteilung informieren, wie es auf der Internetseite der Initiative heißt. Als Termin für den Equal Care Day wurde der 29. Februar gewählt, der bekanntlich nur in Schaltjahren im Kalender steht – also alle vier Jahre. Dies soll aufzeigen, dass Sorge-, Pflege- und Erziehungsarbeit vielfach unsichtbar ist und der Einsatz derer, die sie leisten, nicht gesehen, nicht anerkannt und nicht gewürdigt und häufig ebenso wenig entlohnt wird. Der Aktionstag wurde auch deshalb auf den 29. Februar festgelegt, weil den Initiatorinnen zufolge Care-Arbeit zu 80 Prozent von Frauen übernommen wird, ob im Privaten, im Ehrenamt oder im professionellen Bereich. Männer übernehmen demnach 20 Prozent und brauchen damit vier Mal so lange, um denselben Umfang an Fürsorge- und Care-Arbeit beizutragen wie Frauen.
Laut Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) verbringen Frauen in Italien tendenziell mehr Zeit mit der Betreuung der eigenen Kinder als Männer, wobei sich insbesondere die Intensität der Betreuungsaufgaben unterscheidet: So wenden deutlich mehr Frauen als Männer mindestens fünf Stunden pro Tag für die Betreuung ihrer eigenen Kinder unter 12 Jahren auf (56 Prozent vs. 26 Prozent). Und während 26 Prozent der befragten Frauen, für die Hausarbeit täglich drei Stunden und mehr aufwenden, sind es bei den Männern 13 Prozent. Dagegen fällt der Unterschied bei der Langzeitpflege gering aus: 17 Prozent der Frauen gaben an, dafür täglich fünf Stunden und mehr im Einsatz zu sein, demgegenüber stehen 15 Prozent der Männer.
red/ck