EU-Fonds: Jahrestreffen der Auditbehörden in Meran

21.05.2026, 14:15

Europäische Kommission, IGRUE, Rechnungshof sowie regionale und nationale Auditbehörden tauschen sich erstmals in Südtirol über die Kontrollsysteme europäischer Programme aus

Am Tisch der Referierenden im Kursaal saßen (von links):  Brian Debattista (Europäische Kommission), der Generalsekretär des Landes Eros Magnago, Landeshauptmann Arno Kompatscher, Cristina Asturias (Europäische Kommission) und Carmine Mollica (Europäische Kommission). (Foto: LPA/Manuela Tessaro)
Am Tisch der Referierenden im Kursaal saßen (von links): Brian Debattista (Europäische Kommission), der Generalsekretär des Landes Eros Magnago, Landeshauptmann Arno Kompatscher, Cristina Asturias (Europäische Kommission) und Carmine Mollica (Europäische Kommission). (Foto: LPA/Manuela Tessaro)

MERAN (LPA). Am 21. Mai ist im Kurhaus in Meran das Jahrestreffen der Auditbehörden der von EU-Fonds kofinanzierten Programme zu Ende gegangen. Organisiert hatte die Veranstaltung heuer erstmals das Land Südtirol.

Am Treffen nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission, des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen – IGRUE, des Rechnungshofes, der territorialen Staatsbuchhaltung sowie nationale und regionale Auditbehörden teil. Die Veranstaltung zählt zu den wichtigsten technischen und institutionellen Austauschformaten zu Audit- und Kontrollsystemen der von der Europäischen Union finanzierten Programme.

"Südtirol ist ein zutiefst europäischer und grenzüberschreitender Raum, ein Ort der Begegnung verschiedener Kulturen, Sprachen und Traditionen", betonte Landeshauptmann Arno Kompatscher. "Die europäischen Fonds sind ein wesentliches Instrument, um die Entwicklung der Regionen zu begleiten, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Innovation zu fördern und den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt auszubauen. Über öffentliche Kontrollen zu sprechen bedeutet, über die Verlässlichkeit der Institutionen, die Qualität der Verwaltung und den Schutz des Gemeinwohls zu sprechen."

Im Mittelpunkt des Austauschs standen der Abschluss der Programmperiode 2014–2020, der Start der Tätigkeiten für die Programmperiode 2021–2027 sowie die Weiterentwicklung der Kontrollsysteme. Vertieft behandelt wurden unter anderem die Verlässlichkeit der Ausgaben, Fehlerarten, öffentliche Vergaben, Finanzinstrumente, risikobasierte Verwaltungsprüfungen, die Nutzung von Arachne+, Interessenkonflikte sowie die Koordination zwischen Audit- und Verwaltungsbehörden.

Im Programmzeitraum 2014–2020 wurden im Rahmen der Programme EFRE, ESF und Interreg im Land Südtirol insgesamt rund 370 Millionen Euro verwaltet. Das EFRE-Programm verfügte über Mittel in Höhe von rund 144 Millionen Euro, das ESF-Programm über mehr als 128 Millionen Euro. Das Programm Interreg Italien–Österreich stellte mit einer Gesamtausstattung von rund 98 Millionen Euro – einschließlich nationaler und territorialer Kofinanzierung – ein wichtiges Instrument der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit dar.

"Diese Zahlen bestätigen die Bedeutung der Audittätigkeit als wesentliches Instrument, um die Ordnungsmäßigkeit, Rechtmäßigkeit und Verlässlichkeit der an die Europäische Kommission gemeldeten Ausgaben sicherzustellen", erklärte Generalsekretär Eros Magnago. "Die Kontrolltätigkeit trägt außerdem dazu bei, die Verwaltungs- und Kontrollsysteme zu stärken und die Wirksamkeit der ergriffenen Korrekturmaßnahmen sowie die institutionelle Zusammenarbeit mit den Verwaltungsbehörden weiterzuentwickeln."

"Dass das jährliche Treffen der Auditbehörden erstmals in Südtirol stattfindet, ist eine besonders bedeutende Gelegenheit für den Austausch mit europäischen, nationalen und regionalen Institutionen, die in das Kontrollsystem der europäischen Fonds eingebunden sind", erklärte Alice Lanziner, Direktorin der Auditbehörde für EU-Finanzierungen des Landes Südtirol. "Diese Treffen bieten die Möglichkeit, Herausforderungen, Methoden und operative Lösungen zu teilen sowie die Wirksamkeit der Kontrollen und die Harmonisierung der Ansätze zwischen den verschiedenen Auditbehörden zu stärken."

Zusatzinformationen

Programmperiode 2014–2020 ohne Mittelverlust abgeschlossen – 490 Millionen Euro für den Zyklus 2021–2027

MERAN (LPA). Die Programmperiode 2014–2020 ist erfolgreich und ohne Verlust von Mitteln abgeschlossen worden. Dieses Ergebnis bestätigt die Fähigkeit der Landesverwaltung und der beteiligten Strukturen, den gesamten Umsetzungszyklus der Programme von der Verwaltung über die Zertifizierung der Ausgaben bis hin zum Abschluss zu begleiten.

Im Zyklus 2014–2020 betraf die Audittätigkeit die drei Programme ESF, EFRE und Interreg Italien–Österreich. Insgesamt wurden Ausgaben in Höhe von rund 101 Millionen Euro geprüft und 345 Kontrollen durchgeführt. Dabei wurden Unregelmäßigkeiten in Höhe von insgesamt rund 2,2 Millionen Euro festgestellt.

Für den Zyklus 2021–2027 beläuft sich die Gesamtausstattung der wichtigsten europäischen Programme im Land Südtirol auf rund 490 Millionen Euro: etwa 246 Millionen Euro für EFRE, rund 150 Millionen Euro für ESF+ und rund 91 Millionen Euro für Interreg Italien–Österreich. Die ersten Ausgabenzertifizierungen erfolgten im Herbst 2025. Die Kontrollen der Auditbehörde für die neue Programmperiode starten in Kürze.

„Diese Mittel sind für unser Land von großer Bedeutung, auch wenn das finanzielle Volumen geringer ist als jenes großer italienischer Regionalprogramme“, ergänzte Generalsekretär Eros Magnago. „Gerade in einem kleineren finanziellen Rahmen gewinnen die Qualität der Verwaltung, der Ausgabenzertifizierung und der Kontrollen an Bedeutung. Kontrolle ist nicht nur eine nachgelagerte formale Überprüfung, sondern erfüllt auch eine grundlegende Präventionsfunktion.“

Laut Lanziner erfordern die neuen Herausforderungen immer weiterentwickelte Kontrollinstrumente: „Die zunehmende regulatorische Komplexität, die Digitalisierung der Prozesse und die Weiterentwicklung der Informationssysteme verlangen gezieltere Kontrollinstrumente. Diese müssen die verfügbaren Daten besser nutzen und Prüfungen auf besonders risikobehaftete Bereiche ausrichten, um den Verwaltungsaufwand für die Begünstigten möglichst gering zu halten. In diesem Zusammenhang kann auch künstliche Intelligenz – verantwortungsvoll, nachvollziehbar und unter angemessener menschlicher Kontrolle eingesetzt – ein hilfreiches Instrument sein, um die Analysefähigkeit zu stärken und die Wirksamkeit der Kontrollen zu verbessern.“

Die Zusammenarbeit mit den Verwaltungsbehörden, die im Land Südtirol bereits gut etabliert sei und auch von der Europäischen Kommission empfohlen werde, sei entscheidend, um Probleme frühzeitig zu vermeiden, ergänzte Lanziner. Die Audittätigkeit sei Teil eines umfassenderen Verwaltungs- und Kontrollsystems mit einem gemeinsamen Ziel: die bestmögliche Verwaltung und ordnungsgemäße Verwendung der europäischen Mittel sicherzustellen.

red