Funde bei archäologischen Grabungen am Galgenbichl sichergestellt
Amt für Archäologie tätigt Grabungen auf Bauareal der Einfahrten nach Antholz und Olang – Siedlung mit besonders strategischer Position an der Ost-West-Achse
RASEN-ANTHOLZ (LPA). Bei Bauarbeiten kommen immer wieder historisch bedeutende Funde ans Licht – so auch beim Bau der neuen Zufahrten ins Antholzertal. Ende 2025 begann das Amt für Archäologie mit Sondierungsarbeiten am Galgenbichl (LPA hat berichtet), seit Februar laufen nun archäologische Ausgrabungen.
"Die sichergestellten Funde sind wichtig, um mehr über unsere Geschichte und unsere Herkunft zu erfahren. Gerade Alltagsgegenstände, die über 1500 Jahre alt sind, ermöglichen uns, einen Einblick zu erhalten, wie damals gelebt und gearbeitet wurde. Die Arbeit des Amtes für Archäologie ist darum eine sehr bedeutende", ist Landesrat Philipp Achammer überzeugt.
Im gesamten vom Bauprojekt betroffenen Areal des Galgenbichls wurde die Humusschicht abgetragen, wobei an mehreren Stellen archäologische Strukturen und Funde zum Vorschein kommen. Die sonnenexponierte, heute von der Staatsstraße durchtrennte Südseite des Galgenbichls war in der Eisenzeit besiedelt. Um im Steilhang Wohnhäuser errichten zu können, war zunächst eine systematische Terrassierung notwendig. Die Häuser bestehen aus einen bergseitigen Mauersockel, auf dem ein Blockbau aus Holz aufgesetzt war. Talseitig wurden die Bauten überwiegend mit Holzpfählen abgestützt. Kohleschichten, zum Teil auch verbrannte Holzbalken belegen, dass die Siedlung einem Brand zum Opfer gefallen ist, heißt es aus dem Amt für Archäologie.
Das bisher geborgene Fundmaterial umfasst Teile von Keramikgefäßen, die zum Alltagsgeschirr der Bewohnerinnen und Bewohner gehörten. Knochen von Haustieren geben Einblicke in die Tierhaltung sowie in den Speiseplan. In den Häusern wurden zudem Textilien hergestellt, wie eine Reihe von Webgewichten und Spinnwirtel aus Ton bezeugen. Anhand von mehreren Mahlsteinen kann auf die Verarbeitung von Getreide geschlossen werden.
Nach bisheriger Kenntnis erlebte die Siedlung in der Zeit von rund 800 bis 500 vor Christus ihre Blütezeit. Die neuesten archäologischen Untersuchungen belegen jedoch, dass sie weiter bis in das 1. Jahrhundert vor Christus bestand. Dies war eine Zeit, in der das Pustertal nicht mehr zum Kulturkreis der Räter, sondern zum keltischen Königreich Noricum gehörte. Der Siedlung am Galgenbichl kam in all den Jahrhunderten stets eine besondere strategische Position an der Ost-West-Achse durch das Pustertal zu.
red/ck
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- Am Galgenbichl im Gemeindegebiet Rasen-Antholz wurden Reste eines eisensteinzeitlichen Hauses gefunden, nachdem das Amt für Archäologie dort Sondierungsarbeiten durchgeführt hat. (Foto: LPA/Amt für Archäologie) » [IMG 1 MB]
- Bei den Grabungsarbeiten wurden Teile von Keramikgefäßen gefunden, diese gehörten zum Alltagsgeschirr der Siedlerinnen und Siedler. (Foto: LPA/Amt für Archäologie) » [IMG 850 kB]
- Die am Galgenbichl gefundenen Webgewichte lassen darauf schließen, dass in der Siedlung auch Textilien hergestellt wurden. (Foto: LPA/Amt für Archäologie) » [IMG 479 kB]

