Grenzüberschreitende Forschungsförderung startet mit drei Projekten
Agro-Innovation und Klimawandelanpassung: Südtirol, Bayern und Österreich finanzieren gemeinsam Forschung - Vertreter der drei Partner-Länder auf Grüner Woche in Berlin
BERLIN (LPA). Mit ihrer grenzüberschreitenden Forschungskooperation gehen Südtirol, Bayern und Österreich neue Wege in der Forschungsförderung. Erstmals werden drei Projekte von den Agrarressorts in den Partner-Ländern gemeinsam finanziert. Insgesamt stehen in Summe 1,5 Millionen Euro zur Verfügung und ermöglichen praxisnahe Forschungsprojekte für eine nachhaltige Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserwirtschaft in den Regionen. Nach der grenzüberschreitenden Ausschreibung im Vorjahr wurden drei Projekte für die Durchführung ausgewählt. Das erste Projekt, das klimafitte Bohnenarten und Hirsearten erforscht, startet bereits im Jänner. Im März folgen zwei Projekte mit den Schwerpunkten Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.
Im Rahmen der Grünen Woche in Berlin haben sich am 16. Jänner die Vertreter der drei Partner-Länder zu einem Austausch getroffen. "Die Herausforderungen durch den Klimawandel und den steigenden Innovationsdruck in der Landwirtschaft machen nicht an Landesgrenzen halt", unterstreicht Land- und Forstwirtschaftslandesrat Luis Walcher: "Umso wichtiger ist es, dass wir gemeinsam mit Bayern und Österreich mit vereinten Kräften in praxisnahe Forschung investieren. Mit der gemeinsamen Finanzierung ausgewählter Projekte setzen wir ein klares Zeichen für eine enge Zusammenarbeit im Alpenraum und für Lösungen, die direkt bei den landwirtschaftlichen Betrieben ankommen.".
"Weder geopolitische Herausforderungen noch der Klimawandel halten an Grenzen an", hebt auch die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hervor: "Insofern ist es sehr wichtig, länderübergreifend Kräfte zu bündeln. Das machen Bayern, Österreich und Südtirol mit der gemeinschaftlichen Forschungsförderung. Dadurch stärken wir die Resilienz unserer Regionen. Das macht nicht nur unsere Landwirtschaft zukunftsfest, sondern stärkt die regionale Wertschöpfung und kommt so den Bürgerinnen und Bürger unserer drei Partner-Länder zugute."
"Mit den grenzüberschreitenden Projekten bündeln wir unsere Kräfte in der Forschung für eine zukunftsfähige Land- und Forstwirtschaft", betont der österreichische Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft Norbert Totschnig: "Gemeinsam können wir gezielt und praxisnah Themen wie Klimawandel, Versorgungssicherheit oder Kreislaufwirtschaft beforschen und so einen wichtigen Beitrag zu einer positiven ökologischen und ökonomischen Entwicklung in den drei Regionen leisten."
Zusatzinformationen
Grenzüberschreitende Projekte
Mit der Forschungskooperation wollen die drei Alpenregionen Südtirol, Österreich und Bayern, die in der Landwirtschaft und Forstwirtschaft vor vergleichbaren Herausforderungen stehen, ihre Kräfte bündeln. Im Fokus stehen Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz und Klimawandelanpassung, Diversifizierung sowie die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten. Ähnliche agrarische Strukturen in den drei Regionen bieten dabei ideale Voraussetzungen für gemeinsame Forschungsansätze und den Transfer von Wissen in die Praxis.
Inhaltlich lag der Schwerpunkt der Ausschreibung für die grenzüberschreitenden Projekte auf den zwei zentralen Forschungsthemen zirkuläre Bioökonomie und klimafitte Landwirtschaft. In einem gemeinsamen Auswahlverfahren wurden drei Projekte ausgewählt, die durch ihre hohe Praxisrelevanz, ihre wissenschaftliche Qualität sowie durch die enge Zusammenarbeit von Forschungspartnern aus mindestens zwei der beteiligten Regionen überzeugten:
- HirseBohne - Trockenbohnen und Sorghumhirse: Etablierung neuer Kulturen für Kreislauf-Bioökonomie und klimafitte Landwirtschaft in Südtirol, Österreich und Bayern: Durch die Entwicklung angepasster Sorten der Trockenbohne und Sorghumhirse zielt das Projekt darauf ab, in Zeiten des Klimawandels eine erfolgreiche Ernte, Aufbereitung und Verarbeitung in alpinen Regionen zu stärken. Das Projekt startet im Jänner, die durchführenden Forschungseinrichtungen sind:
- Versuchszentrum Laimburg
- Raumberg-Gumpenstein Research & Development (d. HBLFA Raumberg-Gumpenstein)
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
- KOMY - Anerkennung des Potenzials der Verwertung von Apfeltrester. Ein multidisziplinäres wissenschaftliches Netzwerk, das zirkuläre Strategien zur Umwandlung von Apfeltrester in hochwertige Produkte, Nebenprodukte und Koppelprodukte entwickelt: Durch die Betrachtung von Apfeltrester und dessen Fermentationsnebenprodukte als wertvolle Ressourcen statt als Abfall, fördert KOMY ein neues Modell der Kreislaufwirtschaft für die Agrar- und Lebensmittelindustrie. Das Projekt startet im März, die durchführenden Forschungseinrichtungen sind:
- Versuchszentrum Laimburg
- Management Center Innsbruck
- Hochschule Weihenstephan
Die ausgewählten Projekte ermöglichen eine stärkere Vernetzung der Forschungseinrichtungen in den drei Ländern. Gleichzeitig sollen die gewonnenen Erkenntnisse konkrete Impulse für Innovationen im Agrar- und Lebensmittelsektor liefern und einen nachhaltigen Mehrwert für die land- und forstwirtschaftliche Praxis schaffen.
Die gemeinsame Unterstützung von Forschungsprojekten baut auf dem seit 2016 bestehenden Forschungs- und Innovationspakt zwischen Südtirol, Bayern und Österreich auf. Zuständig sind
- das Ressort Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus der Südtiroler Landesverwaltung,
- das österreichische Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft,
- das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus.
red/mac