Landesregierung in den Bezirken (3/4): Weichen für Gemeindeentwicklung

19.05.2026, 13:20

Landesrat Brunner informiert bei Sondersitzung der Landesregierung in Karneid über aktuellen Stand und Zielsetzung der Gemeindeentwicklungsprogramme

Um einen sorgsamen Umgang mit Grund und Boden und den verfügbaren Ressourcen komme Südtirol nicht herum, ist der Landesrat für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Energie und Raumentwicklung, Peter Brunner, überzeugt. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)
Um einen sorgsamen Umgang mit Grund und Boden und den verfügbaren Ressourcen komme Südtirol nicht herum, ist der Landesrat für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Energie und Raumentwicklung, Peter Brunner, überzeugt. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

KARNEID (LPA). Die Raumentwicklung war ein Schwerpunkt der Sondersitzung der Landesregierung mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie dem Präsidenten der Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern auf Burg Karneid am 19. Mai.

Wie der zuständige Landesrat Peter Brunner bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Sondersitzung berichtete, beschäftigen sich derzeit zahlreiche Südtiroler Gemeinden mit den unterschiedlichen Aspekten des Gemeindeentwicklungsprogramms für Raum und Landschaft (GProRL) – auch im Bezirk Salten-Schlern.

"Mit dem Gemeindeentwicklungsprogramm verfügen die Gemeinden über ein langfristiges Planungsinstrument, sozusagen über einen 'roten Faden‘'für die räumliche Entwicklung", betonte Brunner. Siedlungsgrenzen ziehen, Wohnbedarf festlegen, Leerstände erheben, Mobilitätslösungen entwickeln und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen: Die Hauptziele seien die langfristige Beibehaltung einer hohen Lebensqualität der Bevölkerung bei gleichzeitig notwendiger Einschränkung des Verbrauchs von Boden. Aber auch der Schutz und die Aufwertung der Landschaft und der Natur sowie die Vermeidung des motorisierten Individualverkehrs seien wichtige Ziele des Programms.

"Der Weg dorthin führt über kompakte Siedlungen: Diese weisen eine funktionelle Mischung von Wohnen, Arbeiten, Schule, Einkaufen auf engem Raum auf und sorgen damit für kurze Wege, fördern das soziale Gefüge, sparen Infrastrukturkosten und schützen die Landschaft", unterstrich Brunner. Die zuständigen Landesämter würden fachliche Beratung anbieten und die Gemeinden bei den Kernelementen des Gemeindeentwicklungsprogramms – Abgrenzung des Siedlungsgebiets, Leerstandsmanagement, Planung der Dienste – und den einzelnen Schritten des Genehmigungsverfahrens unterstützen.

"Der große Mehrwert des Gemeindeentwicklungsprogramms liegt in der Autonomie der Gemeinden", betonte der Landesrat und ergänzte: "Innerhalb der Siedlungsgrenzen sind sie es, die autonom entscheiden, wo Entwicklung stattfinden kann." Das spare auch Zeit und Bürokratie. 

Um einen sorgsamen Umgang mit Grund und Boden und den verfügbaren Ressourcen komme Südtirol nicht herum, ist der Landesrat für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Energie und Raumentwicklung überzeugt: "Südtirol hat 533.000 Einwohner auf rund 7.400 Quadratkilometern Fläche. Zieht man jedoch die unbesiedelbaren Flächen wie Felsen, Gletscher, Wälder, Seen, Landschaftsschutzgebiete ab, verbleiben noch circa vier Prozent der Gesamtfläche Südtirols, die zur Besiedelung zur Verfügung stehen. Das heißt, der effektiv besiedelbare Bereich ist in Südtirol mit rund 1000 Einwohnern pro Quadratkilometer bereits sehr dicht besiedelt."

Zusatzinformationen

Aktueller Stand der Gemeindeentwicklungsprogramme

KARNEID (LPA). 15 Gemeinden in Südtirol verfügen bereits über ein rechtskräftiges Gemeindeentwicklungsprogramm für Raum und Landschaft (GProRL): Aldein, Altrei, Auer, Bruneck, Montan, Naturns, Partschins, Plaus, Ratschings, Salurn, Truden, Taufers in Münstertal, Schnals, Martell und Latsch.

Von den übrigen 101 Südtiroler Gemeinden befindet sich der Großteil in der Phase der Ausarbeitung des Gemeindeentwicklungsprogramms. Rund 30 Gemeinden südtirolweit haben bereits das Genehmigungsverfahren für das Gemeindeentwicklungsprogramm eingeleitet. Lediglich 13 Gemeinden haben mit der Ausarbeitung noch nicht begonnen.

Die Initiative für das Gemeindeentwicklungsprogramm liegt beim Gemeinderat, der den Beginn der Arbeiten festlegt, die Beteiligung der Bevölkerung organisiert und die umzusetzenden Maßnahmen bestimmt. Die Genehmigungsschritte umfassen die Behandlung in der Landeskommission Raum und Landschaft, den Gemeinderatsbeschluss und den Beschluss durch die Landesregierung. Einmal in Kraft, ist das Gemeindeentwicklungsprogramm für Raum und Landschaft für mindestens zehn Jahre gültig. Die darin festgelegten Ziele und Grundsätze sind für den Gemeindeplan für Raum und Landschaft verbindlich.

Der aktuelle Stand der Gemeindeentwicklungsprogramme in Südtirol ist auf den Landeswebseiten abrufbar.

mpi