Lesen und schreiben als Grundlage für Gesundheit

31.03.2026, 07:05

Amt für Weiterbildung und Sprachen und KVW Bildung starten am 7. April eine Sensibilisierungaktion mit ausgewählten Apotheken

Lesen und Schreiben sind keine rein schulischen Fertigkeiten – sie sind eine Grundvoraussetzung für gesundheitliche Selbstbestimmung. Wer einen Beipackzettel nicht versteht oder online keinen Arzttermin buchen kann, ist in seiner Gesundheitsversorgung strukturell benachteiligt. (Foto: KVW Bildung)
Lesen und Schreiben sind keine rein schulischen Fertigkeiten – sie sind eine Grundvoraussetzung für gesundheitliche Selbstbestimmung. Wer einen Beipackzettel nicht versteht oder online keinen Arzttermin buchen kann, ist in seiner Gesundheitsversorgung strukturell benachteiligt. (Foto: KVW Bildung)

BOZEN (LPA). Gesundheitskompetenz beginnt mit dem Lesen: Wer nicht ausreichend lesen und schreiben kann, ist in seiner Gesundheitsversorgung erheblich eingeschränkt. Beipackzettel verstehen, Arztberichte einordnen, Termine online buchen oder Rezepte lesen – all das setzt grundlegende Lese- und Schreibkompetenzen voraus. Dass Personen mit eingeschränkter Lesekompetenz Dosierungsanweisungen auf Medikamentenbeipackzetteln deutlich seltener korrekt verstehen, Früherkennungsuntersuchungen weniger häufig in Anspruch nehmen und weniger in der Lage sind, chronische Erkrankungen eigenverantwortlich zu managen, wurde in mehreren Studien unter Beweis gestellt. 

Geringe Literalität: ein unterschätztes Problem auch in Südtirol

Das Phänomen der geringen Literalität betrifft keineswegs nur Menschen ohne Schulabschluss oder mit Migrationshintergrund – er zieht sich quer durch alle gesellschaftlichen Schichten. Auf Basis der PIAAC-Studie der OECD und Berechnungen von Bildungswissenschaftler Sven Nickel, Professor an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen, ist davon auszugehen, dass in Südtirol rund 40.000 deutschsprachige Erwachsene von Lese- und Schreibschwierigkeiten betroffen sind. Das entspricht etwa jeder zehnten erwachsenen Person. Die Dunkelziffer ist hoch, da Betroffene ihre Schwierigkeiten häufig über Jahrzehnte verbergen.

Die Sensibilisierungsaktion: Apotheken als Brücke zur Bevölkerung

Apotheken sind niederschwellige Anlaufstellen, die täglich von Menschen aller Alters- und Bildungsgruppen aufgesucht werden. Im Rahmen der Aktion werden in ausgewählten Apotheken landesweit eigens bedruckte Papiertüten verteilt, die mit wenig Worten auf die landesweiten kostenlosen Unterstützungsangebote des Projekts „Besser lesen und schreiben für deutschsprachige Erwachsene“ aufmerksam machen.

Seit September 2022 bietet KVW Bildung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Weiterbildung und Sprachen dieses Projekt auf Landesebene an. In mittlerweile fünf Unterstützungsstellen in Bozen, Meran, Brixen, Bruneck und Schlanders erhalten deutschsprachige Erwachsene kostenlose, vertrauliche und individuelle Begleitung beim Aufbau ihrer Schriftsprachkompetenzen.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es im Sprachenportal oder auf der KVW-Webseite

Zusatzinformationen

Unterstützungsstellen und weitere Informationen

Die Unterstützungsstellen "Besser lesen und schreiben" gibt es an folgenden Standorten:

Bozen: Dienstag, 16–18 Uhr, Pfarrplatz 31 (KVW Landesleitung), Tel. 0471 978 057

Meran: Dienstag, 16–18 Uhr, Otto-Huber-Straße 84 (KVW Meran), Tel. 0473 229 537

Brixen: Dienstag, 17–19 Uhr, Hofgasse 2 (KVW Brixen), Tel. 0472 207 978

Bruneck: Donnerstag, 16–18 Uhr, Dantestraße 1 (KVW Pustertal), Tel. 0474 413 705

Schlanders: Donnerstag, 16–18 Uhr, Hauptstraße 131 (KVW Vinschgau), Tel. 0473 746 721

red/ck