Arbeitsmarkt Ladinien: Wachstumsstark und tourismusgeprägt

01.10.2026, 08:15

In den aktuellen Arbeitsmarkt-News werden die beiden ladinischen Täler Südtirols erstmals gemeinsam betrachtet - Landesrätin Amhof weist auch auf kritische Faktoren hin

Zwischen 2015 und 2025 ist die Zahl der abhängig Beschäftigten in Ladinien, laut AMS-Erhebung, um rund 34 Prozent gestiegen; in Südtirol insgesamt betrug die Steigerung 24 Prozent. Im Val Badia/Gadertal betrug das Wachstum 36 Prozent, in Gherdëina/Gröden knapp 31 Prozent. Das Wachstum in Ladinien ist vor allem mit dem Tourismus verbunden. (Foto: LPA/FotoEuregio)
Zwischen 2015 und 2025 ist die Zahl der abhängig Beschäftigten in Ladinien, laut AMS-Erhebung, um rund 34 Prozent gestiegen; in Südtirol insgesamt betrug die Steigerung 24 Prozent. Im Val Badia/Gadertal betrug das Wachstum 36 Prozent, in Gherdëina/Gröden knapp 31 Prozent. Das Wachstum in Ladinien ist vor allem mit dem Tourismus verbunden. (Foto: LPA/FotoEuregio)

BOZEN (LPA). Die neue Ausgabe der Arbeitsmarkt-News analysiert Ladinien erstmals als gemeinsamen regionalen Arbeitsmarkt. Die Ergebnisse zeigen eine der stärksten Beschäftigungswachstumsraten der Südtiroler Kleinregionen, eine außergewöhnlich hohe Tourismusorientierung, eine große Bedeutung mobiler Arbeitskräfte und eine überdurchschnittliche Registerarbeitslosigkeit, wie der Arbeitsmarktservice (AMS) des Landes Südtirol betont. 

Zwischen 2015 und 2025 ist die Zahl der abhängig Beschäftigten in Ladinien, laut AMS-Analyse, um rund 34 Prozent gestiegen; in Südtirol insgesamt betrug die Steigerung 24 Prozent.

„Die Analyse zeigt, dass es wichtig ist, auch die Besonderheiten der regionalen Arbeitsmärkte innerhalb Südtirols sichtbar zu machen“, betont Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof. „In den ladinischen Tälern beobachten wir typische Merkmale einer stark tourismusgeprägten Region", ordnet Amhof ein. Arbeitsmarktpolitisch habe die starke Abhängigkeit von einem Sektor auch seine Kehrseiten: Ein Teil des Arbeitskräftepotenzials vor Ort bleibe ungenutzt. "Zugleich pendelt ein Teil der Beschäftigten in andere Arbeitsmärkte aus - teilweise in Sektoren, die in Ladinien weniger stark vertreten sind", kommentiert Amhof. 

Außergewöhnlich starke touristische Spezialisierung

Das herausragende Merkmal des ladinischen Arbeitsmarktes ist seine touristische Spezialisierung. Im Jahresmittel 2025 arbeiten 50 Prozent der abhängig Beschäftigten in Beherbergung und Gastronomie; in Südtirol insgesamt liegt der Anteil bei knapp 16 Prozent, wie aus den Arbeitsmarkt-News hervorgeht. "Kein anderer kleinregionaler Arbeitsmarkt Südtirols erreicht eine vergleichbare Konzentration", erklärt Stefan Luther, der Direktor des Arbeitsmarktservice. 

Seit 2015 sei die Beschäftigung im Gastgewerbe um 59 Prozent gestiegen, allein in der Gastronomie um rund 75 Prozent. Gut zwei Drittel des gesamten Beschäftigungswachstums Ladiniens würden auf zusätzliche Arbeitsplätze im Gastgewerbe zurückgehen. Dies sei auch mit einem hohen Anteil an nicht in Südtirol wohnhaften Arbeitskräften verbunden. "So wohnten im Jahresmittel 2025 rund 35 Prozent der abhängig Beschäftigten Ladiniens nicht in Südtirol; der Landesdurchschnitt liegt bei etwas mehr als 16 Prozent", sagt Luther. Die Außenabhängigkeit des ladinischen Arbeitsmarktes sei überdurchschnittlich hoch.

Mehr als die Hälfte befristet beschäftigt 

Auch bei den Vertragsformen heben sich Ladinien deutlich vom Landesdurchschnitt ab. "Während in Südtirol insgesamt rund ein Viertel der abhängig Beschäftigten befristet arbeitet, sind es in Ladinien mehr als die Hälfte; im Val Badia/Gadertal erreicht der Anteil nahezu 60 Prozent." 

Ladinien als „Arbeitslosenhotspot“ 

Trotz des hohen Arbeitskräftebedarfs und starken Beschäftigungswachstums liege die Registerarbeitslosenquote über dem Südtiroler Durchschnitt von 6,3 Prozent: Im Jahresmittel 2025 betrug sie im Val Badia/Gadertal rund 11 Prozent, in Gherdëina/Gröden knapp 10 Prozent, zeigt der Bericht. Auh hier liege der Grund in der saisonalen Struktur.

Die aktuellen Arbeitsmarkt-News sind unter diesem Link abrufbar. 

Zusatzinformationen

Gemeinsamkeiten und Unterschiede 

Das Val Badia/Gadertal weist bei fast allen untersuchten Kennzahlen die stärkere Ausprägung auf: ein höheres Beschäftigungswachstum, einen höheren Anteil an nicht in Südtirol wohnhaften Beschäftigten, einen höheren Befristungsanteil, stärkere Saisonalität und eine höhere Registerarbeitslosenquote. Gherdëina/Gröden ist ebenfalls deutlich tourismusgeprägt, aber etwas breiter aufgestellt. Dort spielen Handel und der öffentliche Sektor eine größere Rolle. Insgesamt überwiegen - so die Bilanz der aktuellen Arbeitsmarkt-News -  jedoch die Gemeinsamkeiten, sodass die beiden Täler trotz unterschiedlicher Verwaltungszugehörigkeit gemeinsam als eigenständiger, kleinregionaler Arbeitsmarkt betrachtet werden könnten.

red/pir