Einzugsgebiet der Etsch: Weiterhin sparsamer Umgang mit Wasser nötig

22.06.2026, 13:35

Ständige Beobachtungsstelle über die Wasserressourcen bestätigt erste Warnstufe im Einzugsgebiet der Etsch – Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz ruft weiter zu bewusstem Umgang mit Wasser auf

Der sich abzeichnende Wassermangel gibt Anlass zu Besorgnis: Steigender Wasserbedarf, geringe Schneereserven und anstehende Hitzewellen verschärfen die Situation. Wasser sparen ist daher ein Gebot der Stunde, betont die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz. (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz)
Der sich abzeichnende Wassermangel gibt Anlass zu Besorgnis: Steigender Wasserbedarf, geringe Schneereserven und anstehende Hitzewellen verschärfen die Situation. Wasser sparen ist daher ein Gebot der Stunde, betont die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz. (Foto: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz)

BOZEN (LPA). Die Ständige Beobachtungsstelle über die Nutzung der Wasserressourcen in den Ostalpen hat sich erneut zu dem sich abzeichnenden Wassermangel im Einzugsgebiet der Etsch geäußert. In ihrer Sitzung vom 16. Juni bestätigte sie die am 18. Mai ausgerufene erste Warnstufe "geringe Gefährdung" im Einzugsgebiet der Etsch und behält diese bei. Die Besorgnis ist jedoch deutlich gestiegen.

Zwar haben die umfassenden Niederschläge in der zweiten Juniwoche im Einzugsgebiet der Etsch zwischen Reschen und dem Mündungsbereich die Situation vorübergehend gelindert und auch am vergangenen Wochenende hat es intensive Gewitterereignisse gegeben. Diese bringen jedoch keine Entwarnung. "Gewitter bringen binnen kurzer Zeit viel Wasser, welches aber schnell – und leider oft verheerend - abfließt. Zudem sind diese Ereignisse häufig mit Sturmböen und Hagel verbunden. Wünschenswert wären regelmäßige, beinahe wöchentliche Regenwasserzugaben", berichtet Flavio Ruffini, Direktor der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz.

Wasser sparsam nutzen

Alle Bürgerinnen und Bürger sind daher weiterhin zu einem besonders umsichtigen und nachhaltigen Umgang mit den Wasserressourcen aufgerufen. Nicht unbedingt notwendige Verbräuche sind zu vermeiden. Der Wasserverbrauch für die Reinigung von Höfen und Plätzen auch in touristischen Betrieben sowie das Waschen von Fahrzeugen ist weitestgehend einzuschränken. Bewässerungen von Gärten und Grünanlagen sollten ausschließlich und auf das Minimum reduziert in den Abend- bis ersten Morgenstunden erfolgen.

In der Landwirtschaft ist nur bei effektiver Notwendigkeit zu bewässern und möglichst nur in den Abend-, Nacht- und Morgenstunden. Die Bonifizierungs- und Bewässerungskonsortien sind angehalten, die eigenen Mitglieder zu sensibilisieren und Maßnahmen zu treffen.

Das nächste Mal wird die Beobachtungsstelle am kommenden Dienstag, 30. Juni, zusammentreten und die Situation bewerten. 

Zusatzinformationen

Die Aufgaben der Ständigen Beobachtungsstelle

Die Ständige Beobachtungsstelle über die Wasserressourcen in den Ostalpen (Osservatorio permanente sugli utilizzi idrici nel Distretto idrografico delle Alpi Orientali) ist ein überregionales Koordinierungsgremium. Sie dient der Überwachung und der Prävention von Wasserknappheit im gesamten Einzugsgebiet der Ostalpen. Ziel ist es, drohende Dürreperioden frühzeitig zu erkennen, den Wassernotstand zu erklären und Maßnahmen zur Verteilungsgerechtigkeit - etwa Priorisierung von Trinkwasser vor landwirtschaftlicher Bewässerung - einzuleiten und dafür zu sorgen, dass für sämtliche Wassernutzungen möglichst ausreichend Wasser zur Verfügung steht. In dieser Beobachtungsstelle arbeiten die Regionen Veneto und Friaul-Julisch Venetien, das Land Südtirol und die Autonome Provinz Trient sowie verschiedene Ministerien zusammen.

Zentraler Ansatz bei der Bewertung einer ausreichenden Verfügbarkeit der Ressource Wasser im Einzugsgebiet der Etsch ist der Abfluss bei der Messstelle bei Boara Pisani unterhalb von Rovigo. An der dortigen Messtelle müssen 80 Kubikmeter pro Sekunde Abfluss garantiert werden, um den Rückfluss des Salzwassers aus dem Meer zu verhindern. Dieser würde die dortigen Brunnen für die Trinkwassernutzung unbrauchbar machen. Der Einbau einer Barriere gegen den Anstieg des Salzwassers im Flussbett als langfristig wirksame Gegenmaßnahme wurde noch immer nicht realisiert, erklärt Flavio Ruffini.

red/mpi