Gewalt im Alter: Hinschauen und dagegen aktiv werden

15.09.2026, 11:55

Land und Sozialdienste der Gemeinde Bozen ermutigen Gewalt im Alter nicht zu tolerieren – Gemeinsame Broschüre zeigt unterschiedliche Gewaltformen auf und benennt Anlaufstellen

Die Broschüre „Gewalt im Alter. Formen erkennen und vorbeugen“ liegt unter anderem in den Sozialsprengeln und den Patronaten auf. Sie weißt auf unterschiedliche Formen der Gewalt an älteren Menschen hin und benennt Unterstützungsdienste wie das Seniorentelefon, das unter 0471 162 62 66 erreichbar ist. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)
Die Broschüre „Gewalt im Alter. Formen erkennen und vorbeugen“ liegt unter anderem in den Sozialsprengeln und den Patronaten auf. Sie weißt auf unterschiedliche Formen der Gewalt an älteren Menschen hin und benennt Unterstützungsdienste wie das Seniorentelefon, das unter 0471 162 62 66 erreichbar ist. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

BOZEN (LPA). Gewalt hat viele Formen, die mit unterschiedlichsten Faktoren zusammenhängen können. Auch das Alter kann dabei ein Faktor sein. In einer gemeinsamen Sensibilisierungsaktion wollen darum das Land Südtirol und die Gemeinde Bozen auf Formen von Gewalt an Seniorinnen und Senioren hinweisen und aufzeigen, welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden können. Dafür wurde eine Broschüre erarbeitet, die von Soziallandesrätin Rosmarie Pamer und der Bozner Stadträtin für Soziales, Patrizia Brillo am 15. September vorgestellt wurde. 

"Wenn ältere Menschen Entscheidungen abgenommen werden und sie in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt sind, kann dies eine Form von Gewalt sein. Die Broschüre soll Mut machen, um sich Unterstützung zu holen, um hinzuschauen, um aktiv zu werden. Denn Respekt, Würde und Selbstbestimmung haben keine Altersgrenze", hielt Landesrätin Pamer fest. Und auch für Sozialstadträtin Brillo ist klar: "Wir müssen hinschauen, hinhören und um Rat fragen. Dabei gilt es immer die Würde, Ehre und Selbstbestimmung der Menschen im Blick zu behalten. Denn wie wir mit Senioren umgehen, sagt viel über unsere Gesellschaft aus."

Die Broschüre "Gewalt im Alter. Formen erkennen und vorbeugen" wurde von der 3. und 4. Klasse der Fachrichtung Grafik der Landesberufsschule für Handwerk und Industrie "Luigi Einaudi" in Bozen gestaltet. "Es war eine ganz bewusste Entscheidung, die jungen Menschen in der grafischen Gestaltung ebenso wie Fachkräfte in der Textgestaltung einzubeziehen", sagte Paola Santoro, Direktorin der Abteilung für territoriale Dienste des Betriebs für Sozialdienste Bozen. In der Broschüre wird auf anschauliche Weise erklärt, dass es unterschiedlichste Formen der Gewalt gegen ältere Menschen gibt: So kann auch die Überfürsorge das Wohlbefinden eines Menschen beeinträchtigen, ebenso wie die Vernachlässigung. Viele ältere Menschen erleben wirtschaftliche Gewalt, wenn sie nicht mehr selbstbestimmt über ihr Geld oder ihr Vermögen verfügen können. Die Broschüre listet jedoch nicht nur auf, sondern gibt auch Tipps, was man tun kann. Eine Möglichkeit ist die Kontaktaufnahmen mit dem Seniorentelefon des Betriebes für Sozialdienste Bozen, wo man Beratung und Gehör findet. Dieses ist unter der Rufnummer 0471 162 62 66 werktags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags zudem von 14.30 bis 17.30 Uhr erreichbar.

Der Betrieb für Sozialdienste sei als zentrale Kompetenzstelle vom Land Südtirol beauftragt worden, auch für Anrufe aus dem gesamten Landesgebiet ans Ansprechpartner zu fungieren. Dies erfolge unter anderem durch das Seniorentelefon, informierte Chiara Furnari vom Amt für Senioren und Sozialsprengel des Landes. Das Landesamt befasse sich seit 2012 mit dem Thema, das auch in Südtirol präsent ist. Die Broschüre sei darum kein Neustart, sondern "ein weiterer Schritt bei der Senisibilisierung für das Thema Gewalt an Seniorinnen und Senioren. Denn es gilt die Unsichtbarkeit der Gewalt zu bekämpfen und gleichzeitig Menschen zu ermutigen, dieses Phänomen wahrzunehmen und darüber zu sprechen", hielt Furnari fest.

Gemeinsam mit dem Betrieb für Sozialdienste Bozen und weiteren Partnern arbeite man zudem an weiteren Maßnahmen. Dazu zählt eine Tagung, die am 8. Oktober an der Eurac in Bozen stattfindet. Zum Thema "Eine Gemeinschaft, die sieht: Gewalt im Alter erkennen und verhindern" werden dabei an einem Vormittag Inputs dazu gegeben, welche Dienste wichtige Unterstützungsleistungen für ältere Menschen bieten und wie ein gemeinschaftsbasierter Ansatz Gewalt an Seniorinnen und Senioren vorbeugen kann.

Die Broschüre "Gewalt im Alter" liegt bei in Kürze in den Sozialsprengeln und in den Patronaten auf, auch die Seniorenbeiräte der Gemeinden sind in die Verteilung miteinbezogen.

ck

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