Gute Luftqualität in Innenräumen sicherstellen

01.09.2026, 10:10

Radon und Kohlendioxid sind häufig unterschätzte Faktoren - Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz informiert auf Messe Good Life in Bozen - Im Dezember endet Projekt "necessARIA"

Analyse eines Dosimeters mit einem Lichtmikroskop, das in einem Raum mit hoher Radonkonzentration eingesetzt war. (Foto: LPA/Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz)
Analyse eines Dosimeters mit einem Lichtmikroskop, das in einem Raum mit hoher Radonkonzentration eingesetzt war. (Foto: LPA/Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz)

BOZEN (LPA). Das Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz setzt sich täglich dafür ein, die Qualität der Luft, die die Menschen in Südtirol atmen, zu schützen. Dazu überwacht und wertet es erhobene Daten aus und ergreift kurz- und langfristige Informationsmaßnahmen. Die geltenden Rechtsvorschriften legen die Grenzwerte für die einzelnen Luftschadstoffe fest, ebenso wie die Methoden nach denen die Luftqualität bewertet wird. Dies gilt selbstverständlich auch für Innenräume, also für Wohnungen, Büros, Schulen und Verkehrsmittel.

Projekt "necessARIA" endet im Dezember

Jede menschliche Tätigkeit belastet die von außen einströmende Luft zusätzlich, zum Beispiel durch organische Gase und Feinstaub und beeinträchtigt dadurch die Lebensqualität in Innenräumen. Das Projekt "necessARIA" (LPA hat berichtet), das im März 2023 in Bozen gestartet ist und über den Nationalen Ergänzungsplan (PNC) finanziert wird, verfolgt das Ziel, Kompetenzen und Strategien zur Luftqualität in Schulgebäuden zu fördern, weiterzuentwickeln und zu teilen. Darüber hinaus soll ein Muster-Ausschreibungstext für Planung, Lieferung, Installation und Wartung entsprechender Anlagen erarbeitet werden.

"Ausreichender Luftaustausch bringt zahlreiche Vorteile, insbesondere in Schulen", erklärt Gianmaria Fulici, Techniker des Labors für Luftanalysen und Strahlenschutz. "Dazu gehören die Verringerung von Fehlzeiten aufgrund von Atemwegserkrankungen wie Asthma und Allergien sowie der Umweltfaktoren, die diese verursachen. Außerdem verbessert sich die Konzentrationsfähigkeit von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften. Dies wirkt sich positiv auf die schulischen Leistungen, auf die soziale Integration und auf die Eingliederung von Kindern mit Asthma und Allergien aus."

Das vom italienischen Gesundheitsministerium in Rom geförderte Projekt wird vom Land über die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz koordiniert. Es endet im Dezember 2026. Bis dahin werden die von Messgeräten in den Schulen erhobenen Daten ausgewertet und mit Gesundheitsfragebögen sowie Anwesenheits- und Fehlzeitenregistern verglichen.

Fokus auch auf Radon

Ein weiterer Gesundheitsrisikofaktor, den man unter Kontrolle halten soll, ist Radon, heißt es von der Landesumweltagentur. "Das im Boden vorhandene Uran ist von Natur aus radioaktiv und unterliegt daher einem Zerfallsprozess. Dabei wird Energie freigesetzt und es entstehen neue Elemente. Eines davon ist Radon. Da es sich um ein Gas handelt, kann es sich ausbreiten und wird unter geeigneten Temperatur- und Druckbedingungen leicht in Innenräume eingesogen", erklärt Luca Verdi, Direktor des Labors für Luftanalysen und Strahlenschutz.

Das Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz sensibilisiert auf der Messe "Good Life" vom 13. bis 15. November 2026 auf dem Messegelände Bozen zu diesem Thema. Dabei werden die Tätigkeiten des Labors vorgestellt. Mithilfe einer Versuchskammer wird zudem ein realer Raum simuliert, um zu veranschaulichen, wie sich die Luftverschmutzung in Innenräumen entwickelt.

Zusatzinformationen

Quellen der Luftverschmutzung in Innenräumen

Als Immissionen bezeichnet man die Luft, die Menschen im Freien einatmen, beispielsweise an Straßen oder in Parks. Unter Emissionen versteht man Luft, die direkt aus einer bestimmten Quelle stammt, etwa aus einem Schornstein oder einer Müllverbrennungsanlage. Hinzu kommen die Luft in Arbeitsumgebungen, die durch Tätigkeiten, beispielsweise industrielle Prozesse, teilweise stark beeinflusst sein kann, sowie die Luft in Innenräumen.

Nach Definition der Höheren Anstalt für Umweltschutz und Forschung ISPRA (Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale) sind Innenräume "abgeschlossene Lebens- und Arbeitsräume außerhalb des industriellen Bereichs". Dazu zählen Wohnungen, Büros, Schulen und Verkehrsmittel. Es handelt sich somit um jene Umgebungen, in denen Menschen den größten Teil unserer Zeit verbringen.

Für jeden dieser Bereiche gelten spezifische gesetzliche Bestimmungen und Grenzwerte (gesundheitliche, arbeitsbezogene usw.) für die Luftverschmutzung. Unter Luftverschmutzung versteht man Verunreinigungen, die die Eigenschaften der Luft, die Menschen atmen, verändern. Sie kann zu einem kleinen Teil natürlichen Ursprungs sein, wird jedoch überwiegend durch menschliche Aktivitäten verursacht.

Die Luftverschmutzung in Innenräumen hängt unter anderem mit der Einrichtung zusammen, etwa mit Holzmöbeln, die mit Klebstoffen oder Lacken auf Basis synthetischer Harze behandelt wurden. Diese können Formaldehyd freisetzen, ein krebserregendes Gas. Hinzu kommen menschliche Aktivitäten, die unvermeidlich Kohlendioxid (CO₂) erzeugen. Hohe Konzentrationen dieses Gases führen zu einer verminderten Konzentrationsfähigkeit. Eine weitere Quelle ist der Boden, aus dem Radon austreten kann.

Eine angemessene Belüftung hilft, die durch diese Schadstoffe verursachten Probleme zu vermeiden. Wo dies nicht möglich ist, sind gezielte Maßnahmen sinnvoll bzw. notwendig, um die Gesundheit aller Menschen zu schützen.

Radon hat eine Halbwertszeit von etwa vier Tagen. Die dabei freigesetzten Alphateilchen sind besonders schädlich für die Lunge. Deshalb gilt Radon nach dem Rauchen als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.
Da Radon ein Edelgas ist, kann es mit den menschlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden. Daher werden Messungen mithilfe von Dosimetern durchgeführt, insbesondere in besonders gefährdeten Bereichen wie Räumen in Geschossen mit direktem Bodenkontakt. Darüber hinaus gibt es spezielle Strahlenschutzbestimmungen, also Vorschriften für alle Umgebungen und Arbeitsplätze mit Strahlenbelastung.
Die anhand von Messungen im gesamten Südtiroler Landesgebiet ermittelten Risikogebiete sind auf einer Karte dargestellt, die auf der Website der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz eingesehen werden kann.

Karte: https://umwelt.provinz.bz.it/de/strahlung/radon

red/san