Hass im Netz: Die gesamte Gesellschaft muss handeln
Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen reagiert auf jüngste Vorfälle von Drohungen, Beleidigungen und Hass-Botschaften in sozialen Netzwerken - Mediationsstelle für digitale Gewalt gefordert
BOZEN (LPA). Der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen zeigte sich bei einer Pressekonferenz im Palais Widmann am 31. Juli zutiefst besorgt über die jüngsten verbalen Angriffe, denen unter anderem die Landtagsabgeordnete Brigitte Foppa, die Vizepräsidentin des Anpi, Silvia Pomella, sowie die für Integration zuständige Gemeinderätin von Auer, Fatima Ezzahra Ziyani, in den vergangenen Stunden in den sozialen Medien ausgesetzt waren. Es sei dringend notwendig, dass die gesamte Gesellschaft gegen Hass im Netz eintrete.
Bereits in der Vergangenheit waren zahlreiche Episoden von Beleidigungen, Angriffen und sexualisierter Gewalt im virtuellen Raum bekannt geworden; so waren unter anderem Soziallandesrätin Rosmarie Pamer, die Meraner Bürgermeisterin Katharina Zeller, die Präsidentin des Landesbeirats, Ulrike Oberhammer, sowie Vizepräsidentin Nadia Mazzardis und zahlreiche andere Frauen betroffen.
"In einer Demokratie darf jede Meinung geteilt, kritisiert oder hinterfragt werden. Besorgniserregend ist jedoch die Art und Weise, wie diese Kritik geäußert wird. Die Analyse von Hunderten Online-Kommentaren zeigt ein wiederkehrendes Muster: Sobald eine Frau im öffentlichen Raum ihre Meinung äußert, verlagert sich die Diskussion allzu häufig von ihren Argumenten auf ihre Person", betonte Beiratspräsidentin Oberhammer. Kommentiert würden nicht ihre Aussagen, sondern ihr Körper und ihr Aussehen. "Ihre Würde wird infrage gestellt. Ihre Sexualität wird zum Mittel der Herabwürdigung", verurteilt Oberhammer. Hinzu kämen sexistische Beschimpfungen, Gewaltfantasien und Formen der Entmenschlichung, die mit einer respektvollen Debattenkultur unvereinbar seien.
Vorfälle müssen die gesamte Gesellschaft zum Nachdenken anregen
"Gewalt gegen Frauen beginnt nicht zwangsläufig mit körperlichen Übergriffen. Sie beginnt oft mit Sprache – mit Demütigung, Lächerlichmachung und der systematischen Delegitimierung jener Frauen, die ihre Stimme erheben. Worte prägen das gesellschaftliche Klima. Deshalb dürfen sie niemals als belanglos abgetan werden", führte Vizepräsidentin Nadia Mazzardis aus. Eine demokratische Gesellschaft messe sich nicht allein an der Freiheit, eine Meinung äußern zu dürfen. Sie messe sich ebenso daran, ob Frauen ihre Meinung äußern können, ohne beleidigt, herabgewürdigt oder auf ihren Körper reduziert zu werden.
Niederschwellige Anlaufstelle und Social-Media-Richtlinien
Um das immer gravierender werdende Problem zu entschärfen, forderte der Beirat die Einführung einer Social-Media-Richtlinie für Institutionen und Online-Medien. "Weiters brauchen wir niederschwellige Anlaufstellen für Betroffene — und wir brauchen Verfahren, die Täter mit der Wirkung ihres Handelns konfrontieren, denn auch digitale Gewalt hinterlässt Narben. Wir fordern deshalb die Errichtung einer Mediationsstelle für digitale Gewalt", betonten Oberhammer und Mazzardis. Dabei dürfe Mediation und Aufklärung nicht als Schwäche verstanden werden, sondern als notwendiger Teil einer demokratischen Antwort auf digitale Gewalt.
Bei der Pressekonferenz wurde auch auf die aktuelle Kampagne des Landes Südtirol hingewiesen, die für das Thema Hass im Netz sensibilisieren soll (das LPA hat berichtet). Alle Infos dazu auf: www.digitalistreal.it
Zusatzinformationen
Die Spirale des Hasses im Netz - eine Dynamik, die Aufmerksamkeit erfordert
Der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen erkennt in den immer häufiger werdenden Fällen eine klare Dynamik: Am Beginn stehe die erste Form der Gewalt, die sich in persönlicher Delegitimierung äußere. Die Glaubwürdigkeit der Frau werde angegriffen. Anschließend folge die Sexualisierung der Herabsetzung. "Während sich Kritik an Männern überwiegend auf ihre Positionen, ihre Kompetenzen oder ihre Verantwortung bezieht, richtet sich der Angriff gegen Frauen mit auffallender Regelmäßigkeit gegen ihren Körper, ihr äußeres Erscheinungsbild oder ihre Sexualität." Die dritte Form der Gewalt sei letztlich die Normalisierung von Belästigung. "Zahlreiche Kommentare beschränken sich nicht darauf, die geschilderten Erfahrungen infrage zu stellen, sondern beanspruchen für sich das Recht zu bestimmen, welches Verhalten Frauen als akzeptabel empfinden sollten." Die vierte Phase der Gewalt sei dann die Verschiebung der eigentlichen Debatte.
pir

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- "Gewalt gegen Frauen beginnt nicht zwangsläufig mit körperlichen Übergriffen. Sie beginnt oft mit Sprache – mit Demütigung, Lächerlichmachung und der systematischen Delegitimierung jener Frauen, die ihre Stimme erheben. Worte prägen das gesellschaftliche Klima. Deshalb dürfen sie niemals als belanglos abgetan werden", führte Vizepräsidentin Nadia Mazzardis aus. » [IMG 2 MB]
- "In einer Demokratie darf jede Meinung geteilt, kritisiert oder hinterfragt werden. Besorgniserregend ist jedoch die Art und Weise, wie diese Kritik geäußert wird. Die Analyse von Hunderten Online-Kommentaren zeigt ein wiederkehrendes Muster: Sobald eine Frau im öffentlichen Raum ihre Meinung äußert, verlagert sich die Diskussion allzu häufig von ihren Argumenten auf ihre Person", betonte Beiratspräsidentin Ulrike Oberhammer. » [IMG 2 MB]
- Eine Anlaufstelle in Sachen digitale Gewalt war eine der Forderungen, die Nadia Mazzardis (im Bild links) und Ulrike Oberhammer, Vizepräsidentin und Präsidentin des Beirats für Chancengleichheit für Frauen, stellten. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri) » [IMG 2 MB]
- Viel Zuspruch und Unterstützung für sein Anliegen erhielt der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen am 31. Juli bei seiner Pressekonferenz gegen den zunehmenden Hass im Netz. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri) » [IMG 2 MB]


