Mehr Raum, mehr Leben: Sendung über die Gatzaue
Revitalisierung der Gatzaue an der Ahr bei RAI 1-Sendung "Linea Verde Italia" am 26. September um 12.30 Uhr - Projekt verbindet mehr Raum für den Fluss, Hochwasserschutz und ökologische Vielfalt
BOZEN (LPA). Wie naturnahe Flussräume den Hochwasserschutz, die Artenvielfalt und die ökologische Entwicklung fördern, ist am Beispiel der Gatzaue an der Ahr am Samstag, 26. September, im Fernsehen zu sehen: RAI 1 strahlt um 12.30 Uhr in der Reihe "Linea Verde Italia" einen rund fünfminütigen Beitrag darüber aus. Zu Wort kommen darin Nicola Marangoni vom Landeswarnzentrum der Agentur für Bevölkerungsschutz und Renate Alber vom Biologischen Landeslabor der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz. Die Aufnahmen mit RAI-Moderatorin Monica Caradonna erfolgten am 7. September.
Nicola Marangoni erläutert das Flussraummanagement und die Revitalisierung von Gewässern in Südtirol. Ein zentrales Ziel ist es, Hochwasserschutz und Naturschutz gemeinsam zu verbessern. Flüsse werden dabei als dynamische, zusammenhängende Systeme betrachtet; neben dem Gewässer selbst wird deshalb auch das Umland einbezogen.
Renate Alber erklärt, wie die ökologische Qualität von Fließgewässern erfasst wird. Für die Sendung hat sie direkt aus der Ahr Proben zur Untersuchung der Makroinvertebraten entnommen, also größerer wirbelloser Tiere. Gemeinsam mit Fischen, Wasserpflanzen und Kieselalgen dienen diese Organismen als wichtige Zeiger für den Zustand eines Gewässers. Diese Zeiger, auch Bioindikatoren genannt, werden von der europäischen Wasserrahmenrichtlinie vorgeschrieben, um den biologischen Zustand eines Gewässers zu ermitteln.
Die Umweltüberwachung des Landes weist für die Ahr einen guten ökologischen Zustand aus. Es wurden vor allem Steinfliegen, Eintagsfliegen und Köcherfliegen gefunden, Hinweis für eine hohe Artenvielfalt und ein intaktes Ökosystem. Im Unterlauf ist zudem ein bedeutender Fischbestand vorhanden, darunter die Äsche als charakteristische Art aus der Familie der Salmoniden.
Das Beispiel der Ahr zeigt damit eindrucksvoll, dass ein Fluss weit mehr ist als Wasser, das von der Quelle zur Mündung fließt. Wasser, Sedimente, Vegetation, Tiere und Umland stehen in ständiger Wechselwirkung. Ein Fluss lebt vom Zusammenspiel all seiner Elemente, vom Wasser über die Ufervegetation bis hin zum umliegenden Landschaftsraum.
Zusatzinformationen
Revitalisierung der Gatzaue zwischen Gais und Mühlen in Taufers
Die Revitalisierung der Gatzaue zwischen Gais und Mühlen in Taufers ist eines der bekanntesten und am längsten laufenden Renaturierungsprojekte der Agentur für Bevölkerungsschutz. Sie ist Teil des Gewässerbetreuungskonzeptes Untere Ahr, das Ende der 1990er-Jahre als Pilotprojekt für Südtirol auf den Weg gebracht wurde. Seitdem wurden an der Untere Ahr zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, von denen Menschen, Tiere und Pflanzen profitieren.
Über eine Länge von mehr als zwei Kilometern wurde das ehemals stark verengte und begradigte Bett der Ahr abschnittsweise aufgeweitet. Dadurch erhielt der Fluss wieder mehr Raum für natürliche Dynamik und Entwicklung. Geländeanpassungen banden frühere Auenflächen erneut an das Gewässer an und schufen natürliche Hochwasserrückhalteräume. Bei Hochwasser können diese Flächen Wasser aufnehmen und damit zum Schutz tiefer gelegener Siedlungsbereiche beitragen.
Zugleich entstanden Seitenarme, strukturreiche Uferbereiche, Tümpel und Kiesinseln; auch Totholz wurde eingebracht. So wurden vielfältige Lebensräume für Fische, Amphibien, Vögel und die typische Auenvegetation geschaffen. Historisch war die Ahr durch Mäander, mehrere Flussarme und ausgedehnte Uferbereiche geprägt. Die Revitalisierung greift Elemente dieser ursprünglichen Flusslandschaft wieder auf. Eine besondere Rolle spielen die Auwälder: Sie sind nicht nur Ufervegetation, sondern ein funktionaler Bestandteil des Flusssystems und zugleich wichtige Rückhalteräume bei Hochwasser.
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- Momentaufnahme während der Aufnahmen für die RAI 1-Sendung "Linea Verde Italia" am 7. September an der Ahr (von links): Biologin und Limnologin Renate Alber vom Biologischen Landeslabor, RAI 1-Moderatorin Monica Caradonna, Nicola Marangoni vom Landeswarnzentrum. (Foto: LPA/RAI Linea Verde Italia) » [IMG 399 kB]
- Die Revitalisierung der Gatzaue zwischen Gais und Mühlen in Taufers ist Teil des Gewässerbetreuungskonzeptes Untere Ahr (Foto: LPA/Landeswarnzentrum in der Agentur für Bevölkerungsschutz) » [IMG 3 MB]