Radmobilität: So hohe Investitionen wie noch nie
83 Millionen Euro fließen ins Südtiroler Radwegenetz – Ziel ist es laut Alfreider, das Fahrrad zum echten Alltagsverkehrsmittel zu machen, vor allem in den Städten und auf Verbindungen zu Bahnhöfen
BOZEN (LPA). Noch nie zuvor hat das Land Südtirol so viel in die Radmobilität investiert, wie jetzt. Das geht aus den Daten des Amtes für Infrastrukturen und nachhaltige Mobilität und des Bereiches Green Mobility der Sta – Südtiroler Transportstrukturen AG hervor. Zwischen 2022 und 2026 wurden dafür knapp 83 Millionen Euro bereitgestellt. Das entspricht jährlich mehr als 30 Euro pro Einwohnerin und Einwohner in Südtirol.
Unter der Federführung von Infrastrukturen- und Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider wurden 46,9 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt, 22,6 Millionen Euro aus europäischen EFRE-Mitteln und 13,4 Millionen Euro aus dem Ministerialdekret 257/2024 gebündelt. Mit diesen Mitteln werden derzeit rund 60 Kilometer Radwege gebaut oder verbessert. Das entspricht mehr als zehn Prozent des übergemeindlichen Südtiroler Radwegenetzes.
"Das Fahrrad darf nicht nur als Freizeit- oder Tourismusgerät gesehen werden", betont Landesrat Alfreider. "Das Rad muss immer mehr zu einem Verkehrsmittel für den Alltag werden, und zwar für den Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Bahnhof, zu Geschäften und zu öffentlichen Einrichtungen. Die beispiellosen Investitionen der vergangenen Jahre dienen genau dazu, sichere, durchgehende und tatsächlich täglich nutzbare Verbindungen zu schaffen."
Mehr als 20,8 Millionen Euro für zehn konkrete Projekte: Sichtbare Ergebnisse im ganzen Land
Zu den bereits abgeschlossenen Maßnahmen mit einem Gesamtwert von 3,36 Millionen Euro gehören der Radweg entlang der Alten Landstraße in Algund mit einer Investition von 707.613 Euro, der Rad- und Gehweg am rechten Eisackufer in Bozen zwischen Reschenbrücke und Casanova mit 691.293 Euro, die Verlängerung des Radwegs von St. Jakob bis zur Wurzerstraße in Leifers mit 710.841 Euro, der Radweg zwischen Prad am Stilfserjoch und Stilfser Brücke mit 560.477 Euro sowie der Ausbau der Brennerstaatsstraße (SS 12) im Bereich Plunger im Wipptal, wo ein neuer Radweg entsteht, mit 685.000 Euro.
Noch umfangreicher ist das Paket der bereits laufenden oder kurz vor dem Abschluss stehenden Arbeiten: Im Burggrafenamt werden 5,74 Millionen Euro in den Ausbau des Radwegs auf dem Meraner Gemeindegebiet zwischen Sinich und dem Bahnhof Untermais im Bereich der Marlinger Brücke investiert. Im Eisacktal kostet die Neugestaltung des übergemeindlichen Radwegs im Bereich Klausen Nord 2,02 Millionen Euro. In Gais im Pustertal wird das Radwegenetz entlang der Josef-Riehl-Straße mit 2,85 Millionen Euro ausgebaut. Im Grödnertal stehen für den neuen Radweg Rodaval zwischen St. Christina und Wolkenstein 4,83 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 2,05 Millionen Euro sind für die Beleuchtung der Radverbindung Kaltern–Eppan–Bozen vorgesehen.
Insgesamt haben die fünf laufenden Projekte einen Wert von rund 17,49 Millionen Euro. Zusammen mit den bereits abgeschlossenen und den derzeit umgesetzten Arbeiten überschreiten die zehn Projekte damit Investitionen von 20,8 Millionen Euro.
Zusatzinformationen
BOZEN (LPA). Das Südtiroler Radwegenetz wächst nicht nur für den Tourismus, sondern vor allem, um die Alltagsmobilität zu fördern. Ziel ist es laut Mobilitätsressort, das Fahrrad zu einem konkurrenzfähigen Verkehrsmittel für Wege zwischen Wohnorten, Schulen, Bahnhöfen und Gewerbegebieten zu machen.
Die Mobilitätserhebung 2026, die mit einer Stichprobe von 1127 Personen der Landesverwaltung durchgeführt wurde, bestätigt diese Entwicklung: Von den 464 Befragten mit Wohnsitz in Bozen nutzen mehr als die Hälfte für den Weg zur Arbeit das Fahrrad oder E-Bike. Außerhalb der Landeshauptstadt spielen hingegen Auto und öffentliche Verkehrsmittel eine größere Rolle. Die Zahlen zeigen, dass das Fahrrad im Stadtverkehr Autofahrten direkt ersetzen könnte, während es bei längeren Strecken gut mit Zug und Bus kombinierbar wäre.
An Werktagen sind in Südtirol 57 Prozent der Autofahrten kürzer als zehn Kilometer. Für diese Entfernung stellt das Fahrrad, vor allem das E-Bike, laut Green Mobility eine konkrete Alternative dar. In diese Richtung gehen die neue Radverbindung entlang des Eisacks in Bozen und das geplante Mobilitätszentrum in Meran mit rund 1000 überdachten Fahrradstellplätzen, die direkt an Zug und Bus angebunden sind. Projekte wie "Move to Cargo" (LPA hat berichtet) erproben zudem gemeinsam genutzte Lastenräder und Lieferdienste und erweitern damit die Nutzung des Fahrrads auch auf die städtische Logistik.
Ergänzend setzt das Ressort Infrastrukturen und Mobilität auf sichere Fahrradabstellplätze, Initiativen an Schulen, Kampagnen für Pendlerinnen und Pendler sowie ein neues einheitliches Leitsystem und eine einheitliche Beschilderung. Ziel ist es, den Anteil der Wege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, bis 2030 auf 20 Prozent zu erhöhen. Hierfür arbeiten das Land und Sta/Green Mobility eng mit den Gemeinden und Bezirksgemeinschaften zusammen.
"Wir wollen den Menschen echte Wahlfreiheit geben. Wenn die Verbindungen sicher, direkt und gut mit Bus und Bahn verknüpft sind, ist der Verzicht auf das Auto keine Einschränkung mehr, sondern die einfachste Lösung. Genau diese Form der Radmobilität bauen wir in Südtirol auf", sagt Infrastrukturen- und Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider. Damit verweist Alfreider auf das Ziel, die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel und die bequemen Verbindungen für die Bevölkerung in Südtirol weiter zu verbessern.
red/san