Erstmals zwei Euregio-JungforscherInnenpreise vergeben

29.08.2026, 17:45

Die zwei besten JungforscherInnen der Euregio sind Philipp Jaufenthaler von der Universität Innsbruck und Moritz Ploner von der Freien Universität Bozen. – Euregio-Awards mit Einreichungsrekord

Die Finalistinnen und Finalisten des Euregio-JungforscherInnenpreises 2026: (von links) Philipp Jaufenthaler, Anna Bertani, Alexander Sietmann, Margherita Mele, Moritz Ploner, Ece Naz Tatar (Foto: Euregio/Armin Gluderer)
Die Finalistinnen und Finalisten des Euregio-JungforscherInnenpreises 2026: (von links) Philipp Jaufenthaler, Anna Bertani, Alexander Sietmann, Margherita Mele, Moritz Ploner, Ece Naz Tatar (Foto: Euregio/Armin Gluderer)

ALPBACH (LPA). Die Vermarktung als Familienunternehmen zur Steigerung der regionalen Wettbewerbsfähtigkeit und tragbare Schweißsensoren als Unterstützung der Gesundheitsüberwachung: Diese beiden Forschungsansätze stammen von Jungforschenden aus der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino. Bei den Euregio-Days am European Forum Alpbach wurden Philipp Jaufenthaler und Moritz Ploner am Samstag, 29. August dafür mit dem Euregio-JungforscherInnenpreis ausgezeichnet. Vergeben wurde gleichzeitig auch der Euregio-Innovationspreis (siehe eigene Pressemitteilung).

Rekord mit 105 Einreichungen

Für alle Euregio-Awards zusammen gab es heuer 105 Einreichungen – ein neuer Rekord. Erstmals wurden pro Preis Auszeichnungen in zwei Kategorien vergeben. Beim JungforscherInnenpreis sind das die Kategorien I: "Wirtschaft, Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaft, Bildungs- und Geisteswissenschaften" und II: "Technische Wissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin".

Am Samstagnachmittag konnten je drei Finalistinnen und Finalisten pro Kategorie ihre Einreichung der JungforscherInnenpreis-Fachjury unter dem Vorsitz von Ulrike Tappeiner, Leiterin des Instituts für Alpine Umwelt von Eurac Research präsentieren.

Am Abend wurden dann alle von der Wirtschaftskammern Tirol sowie den Handelskammern von Bozen und Trient gestifteten Preise feierlich überreicht: Neben Präsidentin Barbara Thaler (Tirol) sowie den Präsidenten Michl Ebner (Bozen) und Andrea De Zordo (Trient) gratulierten auch der Euregio-Präsident, Tirols Landeshauptmann Anton Mattle, Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher und der Trentiner Landtagspräsident Claudio Soini.

Die Platzierungen

Den JungforscherInnenpreis in Kategorie I konnte sich Philipp Jaufenthaler von der Universität Innsbruck mit einer Arbeit zu Vermarktung des Familienunternehmens sichern. Der zweite Platz ging an Anna Bertani, der dritte an Ece Naz Tatar (beide von der Universität Trient). 

In der Kategorie II gewann Moritz Ploner von der Freien Universität Bozen mit einer Arbeit zu tragbaren Schweißsensoren zur Gesundheitsüberwachung. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Margherita Mele von der Universität Trient und Alexander Sietmann von der Universität Innsbruck. 

Das Preisgeld für die Erstplatzierten beträgt 4.500 Euro pro Kategorie. Auf die Zweit- und Drittplatzierten warten 2.000 beziehungsweise 1.000 Euro. Insgesamt hatten sich 49 Nachwuchsforschende unter 35 Jahren beworben.

Zusatzinformationen

Euregio-Awards: Statements und Siegprojekte des JungforscherInnenpreises

Statements zu den Euregio-Awards

Euregio-Präsident, Landeshauptmann Anton Mattle (Tirol): "Starke Regionen sind das Fundament eines starken Europas. Die Euregio-Awards zeigen eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft und kreatives Potenzial in Tirol, Südtirol und dem Trentino steckt. Mit ihren Projekten entwickeln die Preisträgerinnen und Preisträger konkrete Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit und machen damit sichtbar, was aus regionaler Zusammenarbeit entstehen kann. Sie sind damit Botschafterinnen und Botschafter einer Euregio, die ihre Stärken bündelt und gemeinsam nach vorne blickt."

Landeshauptmann Arno Kompatscher (Südtirol): "Die Euregio-Awards holen jedes Jahr Menschen und Projekte vor den Vorhang, die mit neuen Ideen wichtige Impulse für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft setzen. Gerade die Vielfalt der ausgezeichneten Projekte zeigt, wie breit das Spektrum an Wissen, Kreativität und Innovationskraft in der Euregio ist. Die Awards sind damit nicht nur eine Anerkennung für die bisherigen Leistungen, sondern auch eine Ermutigung, neue Wege zu gehen und Ideen weiterzuentwickeln. Davon profitiert letztlich der gesamte Euregio-Raum."

Landtagspräsident Claudio Soini (Trentino): "Besonders beeindruckend ist die Vielfalt der Projekte und Ansätze, die jedes Jahr aus Tirol, Südtirol und dem Trentino bei den Euregio-Awards eingereicht werden. Die Auszeichnungen machen das Potenzial unseres gemeinsamen Gebietes sichtbar und schaffen zugleich eine wertvolle Verbindung zwischen jungen Talenten, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft. Alpbach bietet dafür den idealen Rahmen, weil hier regionale Ideen auf einen internationalen Austausch treffen."

Kata Tüttő, Präsidentin des Ausschusses der Regionen der Europäischen Union: "Die Euregio-Awards zeigen eindrucksvoll, wie viel Zukunftskraft in den drei Regionen steckt. Die Rekordzahl von 105 Einreichungen und die Vielfalt der ausgezeichneten Forschungs- und Innovationsprojekte sind ein starkes Signal: Regionen sind nicht nur Orte, an denen europäische Politik umgesetzt wird – sie sind Orte, an denen Europas Zukunft gestaltet und Innovation konkret gemacht wird. Gerade die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg macht aus regionaler Exzellenz einen europäischen Mehrwert. Die Finalistinnen und Finalisten der Euregio-Awards 2026 stehen beispielhaft für dieses Europa der starken Regionen: forschungsstark, innovativ und nah an den Herausforderungen der Menschen."

Barbara Thaler, Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol: "Die Euregio-Awards zeigen eindrucksvoll, was aus einer ersten Idee entstehen kann, wenn sie konsequent weiterverfolgt wird. Entscheidend ist, dass Forschung und Innovation nicht auf dem Papier bleiben, sondern ihren Weg in die Anwendung finden. Die ausgezeichneten Projekte stehen genau dafür: Sie zeigen neue Ansätze auf und geben wichtige Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft."

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen: "Mit den Euregio-Awards zeichnen wir Menschen aus, die mit Forschung, Innovation und Unternehmergeist an den Lösungen von morgen arbeiten. Für uns als Handelskammer ist es besonders wichtig, diesen Einsatz sichtbar zu machen und jungen Talenten eine Perspektive zu geben. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, dass aus guten Ideen konkrete Anwendungen und neue Chancen für unsere Länder entstehen können. Deshalb sind die Awards auch ein wichtiges Signal dafür, dass sich Investitionen in Wissen und Innovation lohnen."

Andrea De Zordo, Präsident der Handelskammer Trient: "Das Alpbach-Motto 'How Europe Wins' stellt eine konkrete Frage: Wie kann Europa wieder wettbewerbsfähig werden und wachsen? Meine Antwort: Europa muss weniger regulieren und mehr ermöglichen. Wir brauchen weniger Bürokratie, einfachere Regeln und keine zusätzlichen Belastungen für Unternehmen. Europa soll nicht nur Märkte regulieren, sondern Innovation, Investitionen, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit fördern. Mit der Euregio können wir dabei vorangehen und beweisen, dass wir fähig sind, zusammenzuarbeiten, Hindernisse abzubauen und gemeinsam unsere eigene Zukunft zu gestalten."

Ulrike Tappeiner, Juryvorsitzende und Leiterin des Instituts für Alpine Umwelt von Eurac Research: "Forschung bedeutet die Entwicklung neuer Ideen, Technologien und Strategien als Antwort auf verschiedenste Fragen und Herausforderungen. Diese Antworten stärken nicht nur den Wissenschafts-, sondern auch den Wirtschaftsstandort. Die Siegerprojekte, alle Finalistinnen und Finalisten sowie alle Einreichenden untermauern, welche einzigartige Forschungsleistung junge, talentierte Forschenden in der Euregio Tag für Tag betreiben."

Marcus Hofer, Juryvorsitzender und Geschäftsführer der Standortagentur Tirol: "Ein starker Wirtschaftsstandort lebt von Unternehmen, die in die Zukunft blicken und innovative Wege gehen. Nicht zuletzt die Siegerprojekte zeigen, dass die Unternehmen in der Euregio genau das tun. Damit können sie sich im internationalen Wettbewerb mit der Konkurrenz aus ganz Europa und darüber hinaus messen und Wertschöpfung erzeugen, von der wir alle in der Euregio profitieren. Gleichzeitig helfen die innovativen Projekte dabei, den Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu begegnen."

JungforscherInnenpreis: Kurzbeschreibung Siegprojekte 

Hier eine Kurzbeschreibung der Siegprojekte. Die Kurzbeschreibungen aller Finalprojekte des JungforscherInnenpreises sind im Downloadbereich dieser Pressemitteilung zu finden.

Euregio-JungforscherInnenpreis – Kategorie „Wirtschaft, Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaft, Bildungs- und Geisteswissenschaften“:

Philipp Jaufenthaler, University of Innsbruck: Strengthening Regions in a Volatile World: Experimental Evidence on the Localness Effects of Family Firm Status

In einer zunehmend volatilen Welt ist lokale Identität ein entscheidender Faktor für Resilienz. Diese Studie untersucht das Branding von Familienunternehmen als strategisches Instrument zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Euregio. Auf Basis eines interdisziplinären Ansatzes, der Erkenntnisse aus Konsumentenpsychologie und strategischem Management verbindet, analysieren fünf experimentelle Studien mit insgesamt 1.654 Teilnehmenden, wie der wahrgenommene Status als Familienunternehmen verschiedene Dimensionen von Regionalität beeinflusst: geografische Reichweite, lokale Identifikationskraft ("Local Iconness"), nationale Herkunft und inländische Produktion. Die Ergebnisse zeigen, dass der Status als Familienunternehmen die Kaufabsicht signifikant erhöht, wobei dieser Effekt vor allem durch die "Local Iconness" einer Marke getragen wird, also durch deren wahrgenommene kulturelle Verankerung. Für die Euregio, deren Wirtschaft maßgeblich von Familienunternehmen geprägt ist, bieten diese Erkenntnisse eine wirkungsvolle Grundlage, um lokale Stärken gezielt zu nutzen und gleichzeitig auf globalen Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit leisten sie einen direkten Beitrag zum Aufbau resilienter und starker Regionen. 

Euregio-JungforscherInnenpreis – Kategorie „Technische Wissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin“:

Moritz Ploner, Free University of Bozen-Bolzano: Wearable Sweat Cytokine Sensing for Decentralized Health Monitoring 

Der Zugang zu diagnostischen Dienstleistungen bleibt insbesondere in abgelegenen Alpenregionen eine Herausforderung, da wiederholte Blutanalysen in herkömmlichen Laboren oft nur eingeschränkt möglich sind. In diesem Kontext bietet die tragbare biochemische Sensorik einen vielversprechenden Ansatz für eine dezentrale Gesundheitsüberwachung. Vor diesem Hintergrund entwickelt das Projekt eine tragbare Plattform zur nicht-invasiven Erkennung von Entzündungsbiomarkern im Schweiß, mit besonderem Fokus auf die Zytokine Interleukin-6 (IL-6) und Tumornekrosefaktor Alpha (TNF-α), zwei wichtige Indikatoren für Immunaktivität und chronische Entzündungen. Durch die Integration flexibler elektrochemischer Sensoren, mikrofluidischer Systeme und einer auf maschinellem Lernen basierenden Signalanalyse ermöglicht die Plattform eine sensitive und multiparametrische Überwachung in einem tragbaren Format. Diese Technologie könnte die Entwicklung diagnostischer Systeme für die Gesundheitsüberwachung in Echtzeit unterstützen und künftig Anwendungen in der Telemedizin, der früheren Erkennung von Krankheiten, einem breiteren Zugang zu Diagnostik sowie resilienteren Gesundheitssystemen ermöglichen.

red/gst