Gemeinsam modernisieren: Arbeitsmarktämter im Austausch
8-Länder-Konferenz der deutschsprachigen Arbeitsmarktverwaltungen tagt in Luxemburg – Digitalisierung, Organisationsentwicklung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit als Herausforderungen
BOZEN/URSPELT(LPA). Die Arbeitsmarktverwaltungen in Europa stehen vor einem tiefgreifenden Modernisierungsschub: Digitalisierung, neue Anforderungen an Beratung und Vermittlung, grenzüberschreitende Mobilität sowie der demografische Wandel verlangen eine fachliche, technologische und organisatorische Weiterentwicklung. Diese Modernisierung stand im Mittelpunkt der 8-Länder-Konferenz der deutschsprachigen Arbeitsverwaltungen am 28. und 29. September im Château d’Urspelt in Luxemburg. Auch der Arbeitsmarktservice des Landes Südtirol (AMS) hat daran teilgenommen.
Mehr Zeit für Beratung und Vermittlung durch digitale Verfahren
„Eine moderne Arbeitsmarktverwaltung entsteht nicht durch neue IT allein. Wir müssen gleichzeitig unsere Dienstleistungen, unsere Technologien und unsere Organisation und – vor allem – die dahinterstehenden Regeln und Gesetze vereinfachen und weiterentwickeln“, fasst der Direktor der Abteilung Arbeitsmarktservice, Stefan Luther, die Ergebnisse der Konferenz zusammen. „Unser Ziel ist eine Arbeitsmarktverwaltung, die digital stärker und in der persönlichen Betreuung zugleich wirksamer wird“, sagt Luther. Digitale Verfahren seien eine Voraussetzung für Automatisierung und dienten dazu, Routinearbeit zu reduzieren sowie Informationen besser nutzbar zu machen. So entstehe mehr Zeit für Beratung, Vermittlung und individuelle Unterstützung.
Im Rahmen der 8-Länder-Konferenz, die heuer in Luxemburg stattfand, tauschten sich die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsverwaltungen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, der Niederlande, Luxemburgs, Ostbelgiens, Liechtensteins und Südtirols darüber aus, wie die notwendige Modernisierung vollzogen werden könne.
Ostbelgien etwa verbinde Kompetenzfeststellung und Sprachtest mit digital unterstützten Verfahren, wie der AMS Südtirol erfuhr. Österreich hingegen entwickle neue digitale Angebote für Unternehmen und erweitere bestehende Plattformen. Beeindruckt zeigte sich Luther von der Bedeutung, die andere Arbeitsmarktverwaltungen der digitalen Modernisierung beimessen. "So hat Luxemburg beispielsweise bei einer mit Südtirol vergleichbaren Größe mittlerweile eine Mitarbeiterschaft von rund 80 Personen aufgebaut, die sich ausschließlich mit der Digitalisierung der Arbeitsmarktverwaltung beschäftigt", berichtete der AMS-Direktor.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit gewinnt an Bedeutung
Ein weiterer Modernisierungsschwerpunkt sei die Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg. Durch die neuen europäischen Regeln zur Koordinierung der sozialen Sicherheit wird eine grenzüberschreitende Abstimmung zunehmend notwendig, zum Beispiel wenn es um Arbeitslosenleistungen bei grenzüberschreitenden Erwerbsbiografien geht. „Ein moderner europäischer Arbeitsmarkt braucht Arbeitsverwaltungen, die Daten sicher austauschen, Verfahren aufeinander abstimmen und Menschen auch über Grenzen hinweg verlässlich begleiten können“, unterstreicht Luther.
Zusatzinformationen
Neue EU-Regeln bei grenzüberschreitender Arbeitslosigkeit
Besondere Aktualität erhielt der Austausch in Luxemburg durch die Reform der europäischen Regeln zur Koordinierung der sozialen Sicherheit vom 28. September 2026. Die Neuregelung betrifft unter anderem die Zuständigkeit für Arbeitslosenleistungen bei grenzüberschreitenden Erwerbsbiografien, nach dem neuen Grundsatz, dass ab nun das letzte Arbeitsland und nicht mehr das Wohnortland zuständig ist. Für Grenzregionen und Länder mit einem hohen Anteil an Grenzpendlerinnen und Grenzpendlern ist dies von besonderer Bedeutung.
pir
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- AMS-Direktor Stefan Luther (Fünfter von links) im Rahmen der Sitzung in Luxemburg. (Foto: LPA/Arbeitsmarktservice Südtirol) » [IMG 266 kB]
- Die Arbeitsmarkt-Experten und Expertinnen, die sich anlässlich der 8-Länder-Konferenz in Luxemburg getroffen haben: vordere Reihe (von links) Silke Brüggebors (Luxemburg), Katja Gey (Liechtenstein) und Sabine Herzet (Ostbelgien). Petra Draxl (vordere Reihe, Fünfte von links, Österreich), Isabelle Schlesser (Luxemburg), Vanessa Ahuja (Deutschland), Martin Godel (Schweiz). Hintere Reihe (von links): Judith Duveen (Niederlande), Damien Yerly (Schweiz), Steffen Sottung (Deutschland), Niels Lieman (Niederlande), Werner Pramstrahler (AMS Südtirol), Stefan Luther (Direktor AMS Südtirol), Andreas Caluori (Liechtenstein) und Johannes Kopf (Österreich). Abwesend: Christiane Lenz (Deutschland). Mit auf dem Bild: Marjan Hartveldt (vordere Reihe, Vierte von links). (Foto: LPA/Arbeitsmarktservice Südtirol) » [IMG 2 MB]
