Innovatives Bewässerungssystem für klimaresiliente Landwirtschaft
Agrarbetrieb Laimburg der Agentur Landesdomäne wendet in Gutshöfen sensorbasierte Bewässerung an – Pflanzen werden bedarfsgerecht mit Wasser versorgt – Ortsaugenschein am Moarhof in Meran-Labers
MERAN (LPA). Stephan Raffl leitet seit nahezu zehn Jahren den Agrarbetrieb Laimburg, Max Mitterhofer seit fünf Jahren einen der dazugehörigen Gutshöfe, den Gutshof Mair am Weg oder Moarhof in Labers oberhalb von Meran. Vor wenigen Tagen haben sie an die 50 Mitglieder des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen durch die 4000 Quadratmeter umfassende Apfelanlage geführt, um ihnen das Ergebnis eines innovativen Beregnungsmanagements zu zeigen. "Gerade jetzt, wo die zunehmende Trockenheit unsere Landwirtschaft vor große Herausforderungen stellt, ist es wichtiger denn je, Wasser gezielt und sparsam einzusetzen", unterstreicht Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher, der bei dieser Führung dabei war: "Was hier am Moarhof erprobt wird, zeigt, wie aus angewandter Forschung konkrete Lösungen für unsere Bäuerinnen und Bauern entstehen."
"Das ist unsere Pilotanlage, von hier aus ist unser Projekt sensorengesteuertes Bewässerungssystem gestartet", sagt Bereichsleiter Raffl, und die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben: "Dieses innovative Konzept ist europaweit einzigartig, hier wird die Idee umgesetzt, die Automatisierung und die Sensoren zusammenzuführen und die Beregnung nur dann zu öffnen, wenn es trocken ist." Das mit Wasser gefüllte Tensiometer steht in der Anlage auf dem trockensten Standort, das Wasser im Rohr sinkt, der Sensor misst den Unterdruck. Wird ein gewisser Schwellenwert erreicht, öffnet sich das Ventil, die Tropfberegnung kann starten. "Das Wassersparpotential liegt in dieser Anlage im Vergleich zu einem standradmäßigen Turnusbetrieb bei über 50 Prozent, und wir erhalten mit diesem System die gleiche Menge und eine Top-Qualität bei den Äpfeln," berichtet Stephan Raffl.
Noch sind die Äpfel der Clubsorte Nicoter Kanzi grün, viele Äpfel hängen an den Ästen, sie haben schon eine schöne Größe erreicht, stellt Betriebsleiter Mitterhofer fest. Auch der Baumwuchs ist ausgeglichen, auch das ist auf das innovative Bewässerungssystem zurückzuführen. Die Äpfel sind heuer früher reif, im vorigen Jahr hat die Apfelernte am 15. September begonnen, vier Saisonarbeiter haben dabei den Betriebsleiter und seinen einzigen fest angestellten Mitarbeiter unterstützt. "Wir haben im Vorjahr einen Spitzenertrag verzeichnet", freut sich Max Mitterhofer.
Die im Versuchszentrum Laimburg in Pfatten durchgeführten Versuche werden in dieser Apfelplantage und auf den Anlagen der anderen 15 Gutsbetriebe in Landesbesitz in angewandter Forschung umgesetzt. Das System funktioniert, die Mitglieder des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen haben bei ihrem Besuch gestaunt. "Wir erproben die Systeme und wollen den Bauern Lösungen in die Hand geben", unterstreicht Bereichsleiter Raffl. Das sensorgesteuerte Bewässerungssystem optimiert den Wasserverbrauch in Zeiten zunehmender Hitze und Trockenheit, indem es Pflanzen nur bei tatsächlichem Bedarf versorgt. Ein entscheidender Baustein für eine klimaresiliente Landwirtschaft, der wegweisend für eine europäische Vorreiterrolle sein kann.
Zusatzinformationen
BOZEN/MERAN (LPA). Sensorbasierte Bewässerung bezeichnet den bedarfsgerechten Einsatz von Wasser in der Landwirtschaft und im Gartenbau; sie nutzt Sensoren, Tensiometer und Echtzeit-Daten, um den Wasserbedarf präzise zu ermitteln. Der Agrarbetrieb Laimburg in der Agentur Landesdomäne hat im Jahr 2023 auf all seinen Obst- und Weinbauflächen Bodenfeuchtesensoren installiert, um die Bewässerung auf diesen Flächen standortangepasst durchzuführen, berichtet Bereichsleiter Stephan Raffl: "Auf knapp 200 Standorten haben wir Sensoren eingebaut, aufgrund derer die Bewässerung gesteuert wird. Damit erfolgt die Steuerung nicht mehr ausschließlich aufgrund von Erfahrung oder Gefühl, wie es vorher der Fall war."
Nach der zunehmenden Umstellung auf die Tropfbewässerung wurde mit der sensorbasierten Bewässerung ein weiterer wichtiger Schritt gesetzt. Diese Technologie ermöglicht es, Wasser gezielt und effizient in Feldern und auf Plantagen einzusetzen, indem die Bodenfeuchte überwacht und die Bewässerung den Bedürfnissen der Pflanzen entsprechend gesteuert wird. Die Bewässerung auf Basis von Bodenfeuchtesensoren schont vor allem die wertvolle Ressource Wasser und ist damit auch eine notwendige Anpassung an den Klimawandel.
Durch eine Umstellung der Bewässerung im Obstbau von einem routinemäßigen Turnusbetrieb wie der täglichen Bewässerung oder einer Bewässerung, die für eine gewisse Zeit mehrmals pro Woche erfolgt, auf einen Betrieb mit automatischer Öffnung nur bei Erreichen eines definierten Schwellwertes kann eine Einsparung von bis zu über 50 Prozent an Wasser erreicht werden. Und das ohne Mehraufwand und ohne Verlust an Qualität oder Menge der Ernte. Hinzu kommen noch die Einsparungen an Energie und Treibstoff, die fallweise benötigt werden, um das Wasser aus Tiefbrunnen oder in die Höhe zu pumpen.
Durch eine gezielte Bewässerung im Weinbau aufgrund von Sensordaten können außerdem Erntemengen, Qualitäten und auch das Wachstum teilweise gezielt gesteuert werden. So können teilweise Pflanzenschutzbehandlungen vor allem im Sommer eingespart und auch der Arbeitsaufwand für Laubarbeiten reduziert werden.
Agentur Landesdomäne
Die Agentur Landesdomäne verwaltet und bewirtschaftet die landeseigenen land- und forstwirtschaftlichen Flächen und die dazugehörigen Betriebe und Gebäude; sie gliedert sich in fünf Bereiche: dies sind der Agrarbetrieb Laimburg mit seinen Gutshöfen, der Forstbetrieb mit den forstlichen Aufsichtsstellen Moos in Passeier, Latemar, Villnöß und Aicha mit dem Forstgarten sowie dem Aquatischen Artenschutzzentrum, weiters die Gärten von Schloss Trauttmansdorff sowie die Verwaltung und Liegenschaftsverwaltung; außerdem führt die Agentur Landesdomäne die Forstschule Latemar.
Eine nachhaltige und ausgewogene Bewirtschaftung der Flächen ist dabei oberstes Gebot der Agentur Landesdomäne, ebenso wie es die Zurverfügungstellung von landwirtschaftlichen Flächen für Versuch, Forschung und Lehre ist; hier ist besonders das Zusammenspiel mit dem Versuchszentrum Laimburg, der führenden Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol, auf den Gutshöfen des Agrarbetriebes Laimburg hervorzuheben.
Die Agentur Landesdomäne ist 2017 aus der Zusammenlegung der Gutsverwaltung (des Versuchszentrums) Laimburg und des Landesbetriebes für Forst- und Domänenverwaltung entstanden.
mac

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- In der sensorbasierten Bewässerung auf dem landeseigenen Gutshof Mair am Weg oder Moarhof in Labers oberhalb von Meran arbeiten das Hauptventil (im Bild) und die Steuerventile mit dem mitten in der Apfelanlage platzierten Sensor zusammen. (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 1 MB]
- Die Bewässerung auf Basis von Bodenfeuchtesensoren schont vor allem die Ressource Wasser und ist eine notwendige Anpassung an den Klimawandel. im Bild der Hauptschieber auf dem landeseigenen Gutsbetrieb Moarhof. (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 1 MB]
- Das Tensiometer zur Bodenfeuchtemessung steht auf der trockensten Stelle der Apfelwiese hinter dem Moarhof. (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 2 MB]
- Betriebsleiter Max Mitterhofer (links) und Bereichsleiter Stephan Raffl erklären das sensorbasierte Bewässerungssystem bei einem der landeseigenen Gutsbetriebe, dem Moarhof in Labers. (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 2 MB]
- Eine sensorbasierte Bewässerung nutzt Bodenfeuchtedaten, um die Wasserzufuhr für Pflanzen vollautomatisch zu steuern: Sensoren messen im Wurzelbereich die aktuelle Feuchtigkeit oder Saugspannung, und Bewässerungsanlagen geben daraufhin nur dann Wasser ab, wenn es die Pflanzen tatsächlich benötigen. Im Bild Bereichsleiter Stephan Raffl neben dem Quarzsandfilter. (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 1 MB]
- Sensorbasierte Bewässerung misst die reale Bodenfeuchte oder Saugspannung, um Bewässerungsvorgänge exakt an den Bedarf der Pflanzen anzupassen. (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 1 MB]
- Bereichsleiter Stephan Raffl: "Das ist unsere Pilotanlage, von hier aus ist unser Projekt sensorengesteuertes Bewässerungssystem gestartet." (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 1 MB]
- Ein Blick in die Statistik der vergangenen Wochen: Bereichsleiter Stephan Raffl (links) und Betriebsleiter Max Mitterhofer (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 1 MB]
- Eine sensorbasierte Bewässerung misst permanent die Feuchtigkeit oder Saugspannung im Boden und steuert die Wasserzufuhr vollautomatisch nach Bedarf. Anstatt nach fetsgelegtem Zeitplan zu gießen, erhalten Pflanzen exakt dann Wasser, wenn ein kritischer Trockenheitswert unterschritten wird. Im Bild die Statistik auf dem Mobiltelefon, links die Steuerventile. (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 1 MB]
- Mitten in der Apfelanlage steht es: Das Tensiometer zur Bodenfeuchtemessung, ein Rohr mit einer porösen Keramikspitze unten und einem digitalen Sensor oben. (Foto: LPA/Maja Clara) » [IMG 1 MB]
- Bereichsleiter Stephan Raffl (links vorne) führte die Mitglieder des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen am 4. August durch den landeseigenen Gutshof Mair am Weg oder Moarhof in Labers mit der sensorgesteuerten bedarfsgerechten Bewässerung, im Zentrum der Gruppe Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher. (Foto: LPA/Ressort Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus) » [IMG 3 MB]
