Von Notruf bis Flugrettung: Studientag beim Bevölkerungsschutz
Studentinnen und Studenten der Università Cattolica in Mailand erhalten Einblicke in Warnung, Notruf, Einsatzkoordination und Flugrettung im Südtiroler Bevölkerungsschutz
BOZEN (LPA). Studentinnen und Studenten des Master-Studiengangs "Crisis & Disaster Management: le Funzioni Organizzative in Protezione Civile, Sicurezza e Difesa civile" der Università Cattolica del Sacro Cuore in Mailand haben sich am 25. September gemeinsam mit dem Studiengangskoordinator einen Tag lang in der Agentur für Bevölkerungsschutz informiert.
Ilaria Folie vom Landeswarnzentrum stellte dabei die historische Entwicklung sowie Aufbau und Organisation des Zivilschutzsystems und der Agentur für Bevölkerungsschutz vor. Sie erläuterte zudem die zentrale Rolle des Ehrenamtes bei der Vorbeugung und Bewältigung von Notfällen und zeigte das Verhältnis von Aufwand und Nutzen im Zivilschutz auf. Paolo Berenzi, Koordinator der Einheitlichen Notrufzentrale 112 und der Landesnotrufzentrale, gab anhand von Statistiken Einblick in deren Organisation. Im Mittelpunkt standen Informations- und Arbeitsabläufe sowie die eingesetzten Technologien für Alarmierung, Kommunikation und Geolokalisierung.
Bei einem Rundgang besichtigte die Gruppe die Einheitliche Notrufzentrale 112 und die Landesnotrufzentrale, die Landesverkehrsmeldezentrale, das Landeswarnzentrum, das Landeslagezentrum sowie die Einsatzzentrale der Berufsfeuerwehr Bozen.
Abgerundet wurde der Studientag durch eine Besichtigung einer der vier Notarzthubschrauberbasen im Land: Adam Holzknecht, Alex Hofer und Pilot Luca Bertolino berichteten über den Aiut Alpin Dolomites, seine Rolle im Südtiroler Bevölkerungsschutz und bei Notfällen sowie über interne Informations- und Arbeitsabläufe. Die 1990 offiziell gegründete und bereits seit 1987 tätige Organisation vereint 19 Bergrettungsmannschaften. Sie bietet einen hoch spezialisierten Flugrettungsdienst und technisch anspruchsvolle Rettungseinsätze; die Besatzung ist im Sommer von Juni bis Oktober und im Winter von Dezember bis April im Einsatz.
Bereits im Vorjahr war ein gleichartiges Treffen organisiert worden (LPA hat berichtet), damit entwickelt sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Masterstudiengang der Università Cattolica, der von Professor Flavio Cruciatti koordiniert wird. Simone Demurtas hat den Fortbildungstag in der Agentur für Bevölkerungsschutz organisiert.
Zusatzinformationen
Die Agentur für Bevölkerungsschutz
Seit dem 1. Jänner 2016 bündelt die Agentur für Bevölkerungsschutz die zuvor auf die Abteilungen Wasserschutzbauten, Brand- und Zivilschutz sowie die Berufsfeuerwehr verteilten Aufgaben in einem Kompetenzzentrum. Als zentrale Koordinierungsstelle schützt sie die Bevölkerung vor Bränden sowie vor Natur- und technischen Gefahren. Die Bündelung vermeidet Doppelzuständigkeiten, führt Fachwissen zusammen, verkürzt Kommunikations- und Entscheidungswege und erleichtert die Nutzung von Synergien.
Zu ihren Aufgaben gehören die Vorhersage möglicher Gefahren, die Bewusstseinsbildung und Schulung der Bevölkerung, die Planung und Koordinierung von Maßnahmen bei Notfällen und Katastrophen sowie der Wiederaufbau öffentlicher Infrastrukturen. Hinzu kommen die Verbesserung der Gewässerökologie und der Lebensqualität im Landesgebiet sowie die Verwaltung des öffentlichen Wasserguts.
Grundlage dafür ist die enge Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Abteilungen des Landes, des Staates und der Gemeinden, mit ehrenamtlichen Organisationen sowie mit der Bevölkerung. Zugleich stärkt die Agentur für Bevölkerungsschutz die Eigenverantwortung: Wer vorsorgt und sich auf Notfälle vorbereitet, kann angemessen reagieren, schützt sich und andere und ist auch im Notfall weniger auf Hilfe angewiesen.
Eine zentrale Rolle hat die Landesnotrufzentrale inne: Detaillierte Alarmierungspläne und -protokolle ermöglichen es, Hilfe rasch und zielgerichtet zu entsenden. Ein modernes Informationssystem unterstützt die Einsatzführung: Eingehende Anrufe werden gleichzeitig entgegengenommen und aufgezeichnet, Daten verarbeitet und Einsatzorte lokalisiert.
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- Das Landeslagezentrum im Zivilschutzzentrum an der Drususallee in Bozen ist die zentrale Anlaufstelle für den Zivilschutz und die Einsatzkoordinierung in Südtirol, es ist im Ereignisfall - Muren, starker Schneefall, Großereignisse - permanent rund um die Uhr besetzt. (Foto: LPA/Agentur für Bevölkerungsschutz) » [IMG 147 kB]
- In der Aula Zivilschutz referierte der Koordinator der Einheitlichen Notrufzentrale 112 und der Landesnotrufzentrale Paolo Berenzi über seinen Bereich. (Foto: LPA/Agentur für Bevölkerungsschutz) » [IMG 142 kB]
- Besichtigung des Landeswarnzentrums: Das Landeswarnsystem ist ein wesentlicher Bestandteil des Risikomanagements für Naturgefahren. Das Landeswarnzentrum veröffentlicht täglich den Warnlagebericht mit den Bewertungen für den aktuellen Tag und die drei Folgetage mit Gefährdungspotenzial sowie den sich daraus ergebenden Warnstufen. Diese beziehen sich auf acht Arten von Naturereignissen: hydrogeologische Ereignisse, starke Gewitter, Hochwasser, Schneefall im Tal, Lawinen, Starkwind, extreme Temperaturen und Waldbrände. (Foto: LPA/Agentur für Bevölkerungsschutz) » [IMG 140 kB]
- Im medizinischen Notfall ist der Aiut Alpin im gesamten Einsatzgebiet direkt über die Einheitliche Notrufnummer 112 erreichbar. (Foto: LPA/Agentur für Bevölkerungsschutz) » [IMG 143 kB]
- Auf dem Programm des Studientags stand auch die Besichtigung der Notarzthubschrauberbasis des Aiut Alpin in Pontives an der Einfahrt ins Grödnertal. (Foto: LPA/Agentur für Bevölkerungsschutz) » [IMG 134 kB]
- Die Landesnotrufzentrale LNZ im Zivilschutzzentrum an der Drususallee in Bozen ist die zentrale Leitstelle für alle rettungs- und zivilschutzrelevanten Einsätze in Südtirol; sie ist rund um die Uhr über die Einheitliche europäische Notrufnummer 112 erreichbar. (Foto: LPA/Agentur für Bevölkerungsschutz) » [IMG 188 kB]




